Naturkundestunde


Huch, da ist es doch fast schon wieder einen Monat her, seitdem mein letzter Artikel erschienen ist.
Wie versprochen, aber hier der Naturkundebericht aus Garmisch.

Stabitraining soll ich ja machen. Stabitraining. Grmpf. Um ehrlich zu sein, steh ich ja so gar nicht drauf. Gymnastik. Bah. Aber gut. Das Resultat kennen wir ja. Das ich in Wiesbaden nicht starten kann, weil ich Gymnastik doof finde, wissen wir auch. Also müssen wir da wohl durch.

Eine Woche Urlaub stand also an. Was also tun? Eine Woche auf meinem Wackelbrettchen balancieren? Nö. Also wo gibts das beste Stabitraining? Richtig, in den Bergen. Also Tasche gepackt und los.
Ab Richtung Garmisch.

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Das Bergfieber hat mich schon am ersten Abend gepackt. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen gings los. Aber wohin. Die Auswahl war gross. Die Erfahrung gering. Die Touren sollten ja nicht so schwer werden. Die Knie. Herrje die Knie, was haben die mich schon Nerven gekostet. Ja, ja, ich weiss, selbst Schuld.
Die Wahl fiel auf die Höllentalklamm. Höllental passt ja zu mir. Oder wie mancher scherzhaft sagte: „Na Katrin, Verwandtschaftsbesuch.“
Das ich dem Teufel Konkurrenz machen kann, ist ja nichts neues 😉

Nach ein paar hundert Höhenmetern wartete die Eingangshütte zur Klamm. Was dahinter wartete wusste ich ja nicht so recht.

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Na prima. Dahinter gings schon los. Ein kleiner Holzsteg mitten an einer Felswand. Wer mich kennt, lacht jetzt gleich. Höhenangst! Warum wohl saß ich sonst noch nie in einem Flugzeug.

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Prima, dachte ich, welcher Idiot fährt auch mit Höhenangst in die Berge?
Richtig. Die Frau Schneider. Also los.
Umdrehen kann ich ja jetzt wohl nicht.
Was mich an dem Tag erwartet hat:

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Oben tat mir die Höhenluft scheinbar weniger gut, jedenfalls schrieb ich meinem Chef eine Email, mitsamt einem Bild im Anhang. Wortlaut: „Ich denke gerade ernsthaft darüber nach, hier zu bleiben.“

Nach 6 Stunden dann zurück im Hotel.
Was meinen Trainer jetzt wieder freuen wird. Gegessen hab ich in der Zeit wie ein Weltmeister. Höhenmeter und Höhenluft machen Hunger. Christian, ich habe bestimmt 3kg zugelegt, stell dich also darauf ein, dass ich morgen quengeln werde.
Aufgetan hab ich das urigste Lokal was ich je gesehen hab.

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Dorthin hat es mich jeden Abend verschlagen. Stunden hätte ich dort sitzen können.

Tag 2 versprach dann nichts Gutes. Regen und das nicht nur in Form von Schauern, sondern von Dauerregen.
Aber ich mag Regen. Auch beim Wandern. Also ging es los. Wieder durch eine Klamm. Da ists ja sowieso nass und dann hoch auf ca. 1300 Meter .

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Langsam schlugen sich die Abstiege aber auf die Knie. Hoch ging gut. Aber runter tat es langsam aber sicher weh.
Also musste für den nächsten Tag ein Masterplan her.
Hoch wird gelaufen (Stabitraining olé) und runter, ja runter. Welche Möglichkeiten gibts denn da. Oh ja, eine Gondelfahrt. Wir fahren Gondel, meine Höhenangst und ich.
Also ging es los, auf den Wank. 1780 Meter.
Unten am Weg hingen ganz lustige Fransen über die gesamte Breite.

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Witzig dacht ich mir und wollte mit einem lauten „Huiiiiiii“ darunter durchflitzen. Bis man mich freundlich darauf hinwies, dass ich da wohl besser nicht drankommen sollte, weil es ein Weidezaun für die Kühe ist.
Glück gehabt, sonst wär ich mal lustig gegrillt worden.
Diese Bayern aber auch. Hängen die da Stromfransen über die Strasse.
Vor allem wo sollten bitte Kühe herkommen? Auf Asphalt.
Kühe. Einfach so. Ohne Koppel. Wo gibts denn sowas.
Wos das gibt, hab ich ein paar Höhenmeter später gelernt.
Da wird einem schon anders, wenn da plötzlich so 10 Riesenkühe auf dem Weg sitzen. Meine Frage warum die jetzt keine Weide haben, wurde mit „Du läufst da gerade durch“ beantwortet. Mein Gesicht dazu möge man sich jetzt bitte vorstellen. Auf Zehenspitzen also durch das Getier geschlichen.

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Zugegeben, war ich echt froh als ich da durch war.
Und eine kurze Abwechslung zur mentalen Gondelfahrtvorbereitung.
Nach einer Erbsensuppe auf dem Gipfel ging dann Richtung Gondel. Der Puls war jenseits der 200.
Rein, Augen zu, Ohren zu und aufs Atmen konzentrieren. Ging erstaunlich gut. Und mit ziemlich wenig Tränen.

Am nächsten und letzten Tag stand dann die Zugspitze auf dem Programm. Wie gehts hoch? Richtig, mit der Gondel. Pffffff, wasn Klacks. Ich war ja jetzt Gondelprofi. Also los. Das mit dem Gondelprofi hatte ich mir auch ganz schnell anders überlegt, als die Gondel dann kam, das war schon ne Nummer größer als meine Wankbahn vorher. Wär ja auch blödsinnig vorher darüber nachzudenken, dass es auf 2962 Meter nicht so einfach geht wie auf 1780. Ähnlich wie in der chinesischen U-Bahn quetschen sich dann aber tausende Menschen (gefühlt) in diese Gondel. Point of no return. Und los gings. Und dann wurde mir warm und schwindlig. Als irgendwer sagte: „Guck mal, was ne Felswand und wie hoch. Wenn wir jetzt runter fallen, brauchst du dir auch keine Sorgen mehr machen.“ war ich geneigt zu schreien, dass ich sofort hier raus muss. Dann setzte mein Hirn kurz aus und irgendwann war ich oben.
Über den Wolken.

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Irgendwann hatte sich mein Magen dann auch wieder beruhigt. Und der Gipfelerbsensuppe stand nichts mehr im Weg.

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Runter gings dann allerdings mit der Zahnradbahn. Alles andere wäre nicht vorstellbar gewesen.
Unten angekommen, die Füße in der Loisach gekühlt. Denn mittlerweile waren sie arg geschunden.

Was bleibt zu sagen. Den Knien hat es gut getan. Ich bin verliebt. In die Zugspitze. In den Wank. In die Berge.
Und ich komme wieder.

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