Das erste Mal..


…Montag. Heute ist Montag. Merkwürdig, wie schnell die Zeit vergeht.
Gestern war es soweit. Der Märchenlauf in Hanau stand auf dem Programm.
So allmählich hatte ich es ja zwischenzeitlich schon aufgegeben, dass ich hier jemals einen Wettkampfbericht zum Besten gebe.

Bis zum Aufstehen morgens, war ich noch der felsenfesten Überzeugung, dass ich da mal eben 10km langflitze und dann selbstbewusst lachend bei 00:59:59 über die Ziellinie laufe. Wie das halt in der Vorstellung immer alles so wunderhübsch funktioniert. Es gibt ja immer zwei Pläne in meiner Welt. Einen, der nach der Schneiderschen Art und Weise erstellt ist, meistens überambitioniert und einen der dann nach und nach angepasst und zum finalen Plan wird.
Aber dann musste ich meine Tasche packen. Zum ersten Mal. Was brauch ich alles, alles da…usw. usw. usw.
Zu allem Überfluss musste ich dann auch noch ins Auto steigen und nach Hanau fahren.
Und da war mir zum aller ersten Mal an diesem Tag nach rennen, und zwar nach wegrennen, ganz schnell und ganz weit.
Meinem Körper habe ich verzweifelt versucht beizubringen, dass er jetzt diese verdammte Adrenalinproduktion einstellen soll. Ist ja nichts anders wie im Training.
Nun denn, endlich dort angekommen, hatte ich mich auch eingependelt. War fahrig und aufgeregt. Aber kneifen ging nicht.
Erstens wusste ich genau, dass das jemand (niemand geringerer als meine bessere Hälfte) nicht zulassen würde und der war schneller als ich, für den Fall, dass ich mich doch für die Option mit dem wegrennen entschieden hätte. Und zweitens saß ein Freund und zwar Sportfotograf Uli im Ziel. Extra wegen mir angereist. Mit der Extra großen Kamera bewaffnet.
Wo man durch muss, muss man durch.
Nun denn. Umgezogen und ehe ich mich versah, stand ich auch schon an der Startlinie. Ganz hinten. Sicher ist sicher. Von hinten nach vorn laufen geht immer. Läufste vorne los und wirst überholt, ist die Moral gleich fürn Ar***. Aber so ein bisschen sollte die ja halten.
Bis km 1,5 gings ganz gut, dann schlug das Seitenstechen zu. Das Tempo hatte ich noch nicht gefunden und irgendwie war alles sowieso nicht so ganz meins.
Die Strecke solala. Wald-/Acker-/Rad-/Trampelweg. Also nichts, wo mich mich zu Hause fühle.
Das Seitenstechen lies irgendwann nach, aber wahrscheinlich nur, weil ich irgendwann zu einem kleinen Wutklumpen mutierte. Das einzige, was ich auf der Strecke dankend annahm, waren die riesigen Pfützen auf dem Weg.
Da meine leichten Flitzer auf der Strecke eher die falsche Schuhwahl gewesen wären, habe ich auf die schweren Asics zurückgegriffen. Jede Pfütze auf dem Weg nahm ich dankend mit, um den Füßen ein wenig Kühlung zu verschaffen.
Bei KM 5 war es dann endlich soweit. Seelisch & moralisch am Ende. Ich wollte nicht mehr, nicht mehr laufen, nicht mehr gehen und Halbmarathon wollte ich sowieso gleich gar nicht mehr laufen.
Zwischenzeitlich hoffte ich sogar auf Regen, erfahrungsgemäß laufe ich besser bei Regen, außerdem war mir sowieso zu warm. Viel zu warm angezogen eben.
Verrückt, die Kraft war da, es war einzig und allein der Kopf der sich quer stellte.
Die Verpflegungsstelle herbeigesehnt, hatte ich auch schon einen Becher Wasser in der Hand. Es war wie verhext, aber runter ging bekam ichs nicht. Kaum das Wasser im Mund, habe ich es im hohen Bogen wieder ausgespuckt. Der Rest des Becherinhalts landete auf dem Kopf, was nur mäßig Erholung brachte.

Und weiter gings. Zwischen KM 5 und KM 6 hatte mich dann alle guten Geister verlassen. Mein Freund musste einiges ertragen. Und ich bin wirklich dankbar, dass er das einfach alles erträgt und immer noch an mich geglaubt hat, obwohl ichs längst aufgeben hatte. Ich an seiner Stelle, hätte mich wahrscheinlich schon verprügelt, mindestens aber angeschrien, oder wäre genervt weiter gerannt, ganz weit weg und hätte im Ziel gewartet. Ein Danke reicht da wohl bei weitem nicht aus.
🙂

Dann gabs immer noch mal kleine Durchhänger zwischen drin, in denen das Köpfchen noch einmal versucht hat mich davon zu überzeugen, dass wir jetzt stehen bleiben.
Ab KM 9,5 hatte ich dann wieder die Oberhand.
Sah allerdings nicht wirklich gut aus. Uli hat seinen Job gemacht und alles brav festgehalten.
Märchenlauf

Im Ziel hab ich natürlich (Achtung Anfängerfehler!) vergessen meine Uhr zu stoppen.
Dann doch noch dran gedacht und da stand dann eine Zeit von 01:04:45
Ganz in Ordnung, wenn man bedenkt, dass wir nach all den Verletzungen erst wieder 5(!) Wochen trainieren.

Nach einer Flasche Wasser, die ich ebenfalls über dem Kopf entleerte, gings dann mit dem freundlichen Gesicht auch schon wieder.
Märchenlauf

Und auf der Urkunde siehts auch gar nicht mehr sooooo übel aus, wie sichs anfühlte 😉
Urkunde

FAZIT:
Vom KM2-KM9 war ich der festen Überzeugung, dass ich den Halbmarathon einfach nicht laufe. Ich hätte es so aussehen lassen, als wäre ich nie angemeldet gewesen. Alle Spuren hätte ich verwischt.
Heute (einen Tag später) habe ich Muskelkater und so langsam reift der Gedanke, dass der Halbmarathon sicherlich mehr weh tun wird und sicherlich werde ich auch genauso schlimm, wenn nicht schlimmer, schimpfen und fluchen. Aber er wird gelaufen und wenn ich die letzten Meter krabbeln muss.
So langsam stellt sich auch eine Zufriedenheit mit der Zielzeit ein.
Es wäre mehr drin gewesen, hätte sich mein Dickkopf nicht durchgesetzt. Dann hätte ich die 00:59:59 schaffen können.
Aber die 01:04:43 sind auch ganz in Ordnung, vor allem im Hinblick auf den Halbmarathon in 2 Wochen.
Alles in allem, bin ich ganz zufrieden. und der angepasste Plan steht.

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9 Antworten zu “Das erste Mal..

  1. Drücke Dir die Daumen für den Halbmarathon in zwei Wochen! Toi, toi, toi!

  2. Klasse…und…weitermachen. Und du weßt ja…Ausdauer wird früher oder später belohnt-meistens später!

  3. Das lief doch mal garnicht soooo schlecht! Immerhin weißt jetzt teilweise was auf dich zukommt – nämlich einfach der Wunsch ins Ziel zu laufen; Genau mit diesem Ehrgeiz wirst du auch die 21km laufen (können).
    Viel Spaß dabei

  4. Mädchen, Mädchen, das hört sich ja arg nach Qual an. Ein wenig quälen muss wohl nicht sein. Aus gesundheitlichen Gründen hatte ich auf meinen ersten 10km Lauf verzichtet, vielleicht auch nur eine Ausrede. Wie auch immer. Aber Deine Zeit ist doch völlig in Ordnung! Du hast durchgehalten und bist lebendig ins Ziel gekommen. Das ist doch auch was.
    Ich frage mich, ob mir Wettkämpfe Freude machen werden? Ich setze mich da aber nicht unter Druck. Machst du es Dir deswegen so schwer?
    Viele Grüß, Bernd

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