Ich feier mich…


..oder wie es ist, wenn man in 7 Wochen lernt Halbmarathon zu laufen.

Wenn man es zusammenfassen möchte, dann am Besten so:
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Das Foto ist ungefähr bei KM 14 entstanden. Und zu dieser Zeit fing das auskühlen und die schmerzlichen Erfahrungen eines Halbmarathon an.
Aber erst einmal ganz von vorn.

Halbmarathon laufen lernen in 7 Wochen. Von 0 auf 300 sozusagen. Ambitioniert, aber machbar, wenn man mich fragt. Natürlich bin ich vorher schon gelaufen, aber nie konstant.
Immer wenn ich mich einigermaßen ans laufen gewöhnt hatte, war ich wieder krank und/oder verletzt.
Stand vor 7 Wochen war dann der, dass ich laufen konnte so 2,3,4,5 Kilometer. Sehr langsam und mit sehr vielen Gehpausen. Das hieß dann wohl soviel wie, wir fangen bei 0 an. Ganz bei 0. Aber es gibt schlimmeres.

Schneller als gedacht, hatten wir Samstag, den 10.05.2014. Für mich war es also an der Zeit die Startunterlagen abzuholen. Gesagt, getan.
Untypisch für mich, war ich sehr ruhig. Sicher wusste ich eins,dass ich morgen am Start stehen und einfach Halbmarathon laufen würde.
Da gab es keinerlei Zweifel und irgendwie fühlte es sich an, wie im Auge des Tornado.

Zusammen mit Laura vom TTRN begann das Abenteuer, Startnummer abholen, zurechtfinden etc. etc.
Der Tag davor

Zurück zu Hause gab es noch die obligatorische Portion Nudeln, die Sachen wurden gerichtet und so langsam war ich gewappnet, für die Aufregung die sich ja irgendwann mal einstellen sollte.
Aber nichts. Nun gut. Also habe ich die Beine hochgelegt und mein Meisterwerk von der Galerie betrachtet.

Ready

Dann war es soweit. Der Wecker klingelte. 11.05.2014; 06:00 morgens. Raceday. Und siehe da, da war ja auch die Aufregung. Und wie sie da war. Die Toastscheiben, die mir André liebevoll mit Erdbeermarmelade bestrichen hatte lösten außer Brechreiz nichts aus und landeten fast vollständig im Müll. An essen war nicht zu denken. An trinken auch nicht. Wegrennen hätte ich wieder gern gewollt.
Und dann stand auch schon André´s Papa vor der Tür und ganz plötzlich saßen wir im Auto und fuhren meiner Meinung nach sowieso zu schnell über die Autobahn und waren dann ganz plötzlich auch schon da. Und irgendwie ging mir das alles viel zu schnell und so wirklich wusste ich gar nicht, wie ich hier überhaupt hingekommen war, was ich hier mache, wie ich jetzt aus der Nummer wieder rauskomme und wie ich jetzt überhaupt Halbmarathon laufen soll. 21,irgendwas Kilometer. Ich..also wirklich. Nicht vorstellbar.
Zu allem Überfluss, kam auch noch irgendwer auf die wahnwitzige Idee mich in Startblock 1 einzuordnen.
Nun gut, vielleicht hatte ich meine Zielzeit auch ein wenig zu optimistisch geschätzt und sie haben mich deswegen dort vorn platziert.

Irgendwo nahe am Wahnsinn, stand ich dann kurz vor dem Start in der Rheingoldhalle. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, stand Paula vor mir. Paula, eine alte Freundin und Arbeitskollegin. Die nahm mich einfach fest in den Arm und sagte nur: „Siehst du, ich sagte doch, dass ich dich noch drücken kann. Alles wird gut.“
Und schon war sie wieder weg. Ein wirklich schöner und unerwarteter Moment. Danke Paula.

Die Zeit raste und schon rückte der Start schon in greifbare Nähe. Endlich waren da auch 3 Bekannte Gesichter, nach denen ich gesucht hatte. Laura, Susanne und Marc.

Zusammen mit den beiden Mädels gings in Richtung Starblock. Auf dem besten Wege mich hinten einzuordnen, klopfte mir ein netter Mensch auf die Schulter und sagte: „Ähhhhhhhm ,der rote Startblock ist ganz vorne.“
Mein panischer Blick mit den Worten: „Ja, aber ich möchte heute gar nicht rot sein.“ haben wohl gereicht und er lies mich wissen, dass ich ruhig auch weiter nach hinten kann.

Wie es der Zufall aber so will, fand ich mich doch tatsächlich beim Instagram-Account MitteninMainz wieder. Und so bekommt ihr vielleicht einen kleinen Eindruck, wie das so ist, wenn man im da in so einem Startblock steht.

Instagram

Als der Startschuss fiel bekamen wir da hinten das fast gar nicht mit, aber irgendwann muss man dann eben doch loslaufen. Und so lief ich. Anfangs noch zusammen mit Susanne und Laura. Die beiden Ladies waren aber wirklich fix unterwegs und intuitiv lies ich nach ein paar Metern wieder abreisen. Jetzt würde sich also zeigen, ob mein Schlachtplan, den ich eigentlich gar nicht hatte, aufging. Also lief ich mein Rennen ganz alleine. So sei es. Ich wusste, die ersten 2-3 km würden schmerzhaft werden. Das sind sie immer. Vorher hatte ich mir 7 Lieder ausgesucht, die mein iPod nun in Dauerschleife vor sich hinspielte (eine gute Wahl, wie sich im Nachhinein herausstellte)
Also lief ich und lief und lief und lief und lief und lief. Immer so weiter, einen Fuß vor den anderen. Durch all den Regen und die Kälte.
Am Verpflegungsstand kurze Gehpausen um zu trinken und weiter gings. Immer an den Fersen von einem relativ konstant laufenden Menschen vor mir.
So langsam sickerte dann auch im Kopf durch, dass ich gerade tatsächlich Halbmarathon laufe. Verrückt dachte ich mir immer wieder, verrückt.
Bei KM 8, wollte ich kurz stehen bleiben und meine Beine anschreien, ob sie jetzt vielleicht anfangen könnten sich die Belastung anmerken zu lassen. So langsam würde ich nämlich anfangen wollen, mich mit dem Schmerz zu arrangieren. Die Hysterie des Körpers sozusagen. Wir kennen das ja, ich zu genüge. Die Hysterie des Körpers rannte aber in dem Moment in Gestalt von Joey Kelly aber an mir vorbei. (Ja, ja, jetzt lacht ihr wieder, aber er hat ein Buch geschrieben, welches so heißt)
Ach guck, die Prominenz auch hier in Mainz.
So waren die Gedanken an Schmerz wieder vergessen. Und so ging es weiter, Meter um Meter im Regen in Kälte und Wind, ab und mit Hagel.
Mir gings prima und Spaß hatte ich obendrein. So sehr, dass ich weder Jacke, noch Gel, noch sonst was wollte, als ich André zum ersten Mal am Streckenrand sah.
Weiter gins durch die Mainzer Innenstadt, wo auch das Bild vom Anfang des Texts entstand, welches sozusagen der Anfang vom Ende war.

Denn dort fing ich an zu frieren, weil der Wind aus allen Richtungen pfiff. Auf den letzten 5 Kilometern war es dann so weit. Ich war so ausgekühlt, dass ich Krämpfe bekam. In den Oberschenkeln, in den Unterschenkeln, ich war ein einziger Krampf. Meine Arme waren taub und zwischenzeitlich war ich mir nicht sicher, ob arm dran, oder arm ab.
Meine Erfahrungen mit Kältekrämpfen hatte ich ja Gott sei Dank schon gemacht. Wer schon mal bei 2Grad Außentemperatur Rennrad gefahren ist, weiß wovon ich spreche.
An Aufgeben war nicht zu denken, nicht im Geringsten. Und so ein paar Krämpfe kriegen mich schon gar nicht klein. Dann muss man eben so lange gehen, bis man wieder laufen kann. Und das tat ich. Bei KM 20 trugen mich meine Beinchen wieder schnell in Richtung Ziel.
Medaille
Dort wollte ich nur noch warme Kleidung. Was gar nicht so einfach war, weil ich André in dem ganzen Getümmel nicht so schnell wieder fand.

Was zu sagen bleibt: Danke an die Mainzer. Die Stimmung war grandios. Danke an all euch Helferlein, die ihr dem Regen getrotzt habt und den Läufern trotzdem mit einem Lächeln das Wasser in die Hand gedrückt habt. Danke an die Musikkapellen/Guggemusikern & Co., die für eine Menge Stimmung gesorgt haben.
Danke an die Dame, die mir freiwillig ihren Kinderriegel zustecken wollte. (ich muss schlimm ausgesehen haben)
Danke an die Mädels und Jungs von Twitter (@_dasBabs_; @blondbeauty83; @lauffreund_de; @RunningStephan; @beVegt; @_tielo_) die extra nach Mainz kamen.
Und besonders, an meinen André und seinem Papa, die vor Ort mit mir mitfieberten und mir zur Seite standen. Mama und Papa die nervös zu Hause auf meinen Anruf warteten, bei dem Mama furchtbar laut vor Freude ins Telefon brüllte.

Danke Mainz, wir sind versöhnt.

Und ich?
Ich feier mich. Und ich bin stolz wie Bolle.
Und im nächsten Jahr sehen wir uns wieder Mainz.

Und jetzt Musik

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8 Antworten zu “Ich feier mich…

  1. Applaus, applaus!!
    Hast du gut gemacht! Glückwunsch zum ersten HM.

    Jetzt gehts erst richtig los 😉

  2. Na, geht doch!
    Und dann auch noch schön geschrieben. 🙂
    Inspiriert, ehrlich.
    Viele Grüße, Bernd

  3. Leckerlis für Lauf und Bericht 🙂

  4. Erstmal herzlichen Glückwunsch.Ist ein gutes Gefühl den HM bezwungen zu haben oder?
    Aber 7 Wochen sind echt nicht viel. Eigentlich halte ich nicht so viel von diesen “von 0 auf 21,1 km-Plänen”. Gut, du bist zwar vorher schon gelaufen aber so ganz gesund ist das wahrscheinlich nich ;-))) aber ich kenn das. Habe auch den Fehler gemacht und mir 6 Wochen gesetzt, um meine Zeit um 5(!!!) Minuten zu verbessern.Ist natürlich total utopisch und ich wurde gleich bestraft mit Krankheit :-((

    • Eigentlich halte ich auch nicht viel davon, war aber ij dem Fall nicht anders möglich. Sonst hätte ich den Start absagen müssen. Und das wollte ich nach den ganzen Verletzungen und Krankheiten keinesfalls.
      Ich hoffe deine Krankheit ist mittlerweile überstanden. Und ja, ist ein gutes Gefühl. 🙂

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