You are an Ironman


Das ist der Satz, den jeder Triathlet gern mal hören möchte.
Und ein Satz, den sich Triathlonbegeisterte gern anhören.
Heute also das Thema:
Wie man als Groupie einen Ironman erlebt.

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Am Sonntag war es soweit. Zum dritten Mal in Folge rief mich der Ironman Frankfurt.
Ein solches Event (seis drum, ob nun Ironman, oder Challenge oder sonstwas) weckt immer die Hummeln im Hintern, lässt zappelig und fahrig werden und die Freude steigen.
Besonders, wenn man bekannte Gesichter im Feld hat.
Das war früher schon so, als ich klein war.
Am liebsten hätte ich den ganzen Tag an Motocross-Strecken gestanden und staunend, mit großen Augen alles beobachtet, festgekleistert am Streckenrand.

Also raus aus den Federn gegen 07:00 Uhr morgens, die bessere Hälfte muss mit, ob sie nun will oder nicht 🙂
Zum Bäcker gerast, am liebsten aber eigentlich schon an der Strecke stehen. Parallel immer wieder die App gechecked: Irgendwer schon ausm Wasser raus?
Aber man braucht ja Zeit, das eigene Training darf nicht zu kurz kommen.
Allerdings lässt sich, sofern man noch eine Wohnung im Taunus besitzt, eine wunderbrare Verbindung herstellen.
Und so ging es los, rauf aufs Radl. In strahlendem Sonnenschein.

Unbenannt

In Rodheim angekommen die Eisenmänner und -Frauen bewundert, oder die, die es mal werden wollen. Die tausende Euro, die in Form von Material an uns vorbeirollen bestaunt.
Und da, tatsächlich, ja wirklich, also ehrlich, rollte ein Teilnehmer mit einem Fatbike an uns vorbei.
Hui. Huuuuuuuuuuuuuuuuuui. Respekt, wenn du das wirklich durchgezogen hast.
Ein weiterer netter Teilnehmer schmiss noch seine leere Radflasche in meine Richtung. Also wirklich, haben wir nicht aufgepasst beim Racebriefing. Müll darf nur in den dafür in den dafür vorgesehenen Zonen abgeworfen werden, Litter Areas heißen die. Hab ich auch erst vor kurzem gelernt.
Oder sollte das als Andenken für mich gedacht sein.
Dann hättest du vielleicht mein Vorderrad nicht treffen sollen, denn das hat mich ein wenig missmutig gestimmt. Ich schmeiss dir schließlich auch nichts ans Vorderrad, wenn du durch den Kreisel saust.

Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet, dass es dringend Zeit für den Rückweg wurde. Die Laufstrecke wartet ja noch. Immer ein Highlight.
Bei gefühlten 48 Grad im Schatten schummelten wir uns auf die VIP Tribüne, pünktlich zum Zieleinlauf von Herrn Kienle.
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Um wenig später weiterzuziehen an den Streckenrand.
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Und hier wird es ja anstrengend für uns Groupies.
Angespannt steht man da, wie angewurzelt, jeden einzelnen Läufer scannend. Von oben nach unten.
Kommt mir das Gesicht bekannt vor, könnte die Startnummer passen, welcher Name steht da? Herrgott, sind meine Augen schlecht, oder ist die Schrift zu klein?
Also wird weiter wie gebannt gestarrt.
Überall hört man Rufe „Isser das? Kommt der da schon? Ach je, wo isser denn.“
Es wird gerechnet und gerätselt, geschaut, gehofft und gebangt.
Aber dann, dann kommt der Moment. Das Gesicht wird gescannt: Check. Die Startnummer: Check. Der Name: Check.
Der Puls rast, der Adrenalinspiegel steigt. Man fängt frenetisch an zu klatschen und zu brüllen (ich jetzt eher nicht, aber der durchschnittliche Groupie). Und stellt die alles entscheidende Frage: „Und, wie geht’s?“ (Was für eine Frage eigentlich?! In dieser Situation.)
Als Antwort bekam ich: „Purer Überlebenskampf heute.“
Was tut man nun als Groupie. Man schreit, man feuert an, man macht Mut, man schenkt vielleicht Zuversicht.
Ich sagte: „Ach du Scheiße.“
Und glaubt mir, ich habe lange darüber nachgedacht, welche Auswirkungen das auf die Motivation hat.

Alle bekannten Gesichter einmal geortet, fängt das Streckenhopping an. Von rechts nach links, von einer Seite auf die andere. Vom Kilometer zu Kilometer. Bloß niemanden verpassen.
Auch ein Groupieleben ist anstrengend.
So kam es, dann ich irgendwann gähnend am Streckenrand stand, wartend, gähnend, wartend, hauptsächlich gähnend.
Und schon packte mich das schlechte Gewissen wieder. Hui, was würde mich das nerven, wenn da so eine halb einschlafend steht, während ich bei 30 Grad den 29. Kilometer zu Fuß hinter mich bringe.

Ich bessere mich, versprochen, ihr werdet es sehen. Nächstes Jahr am Streckenrand 🙂

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2 Antworten zu “You are an Ironman

  1. Bei etwas bekomme ich immer Herzschlagen. Wie wunderbar. Wie sehr ich doch Triathlon liebe. Toller Bericht. Lieben Dank für die Eindrücke.

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