Frankfurt City Triathlon 2014


Oder, wie ich meine eigene kleine Ironwoman wurde.

Nicht zu glauben, aber nun liegt er auch schon hinter mir. Mein erster Triathlon.
Ich bin jetzt also Triathletin. Und immer noch ist es ein wenig unwirklich.
Eigentlich nicht nur ein wenig, sondern sehr unwirklich. Dennoch, es lebt sich gut, so als Triathletin.
Und eigentlich wünsche ich mir ein klein wenig, dass der Wettkampf nicht so schnell vorbei gegangen wäre.

Aber fangen wir von Vorne an. Sonntagmorgen 04:45 Uhr, der Wecker klingelt nach einer mehr oder weniger durchwachten Nacht. Müdigkeit gilt wohl nicht als Ausrede.
Also aufstehen, irgendwie alles zusammen sammeln, die Cornflakes reinschaufeln und dann gings auch schon los.
IMG_20140802_170815

Angekommen am See wartete der Rad check in. Rad einhängen, Wechselbeutel in die dafür vorgesehene Zone tragen, das merkwürdige Gefühl im Magen verdrängen. Kommt bestimmt nur, weil ich kein Frühstück gewohnt bin.
Weit gefehlt, mir war hundeelend. Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem es mir schlechter ging. Wäre André nicht gewesen, hätte ich mich heimlich davon gemogelt.
20140803_070430

Ab und an den Tränen nah, so angespannt war ich. Runter ans Wasser. Erst einmal setzen. Setzen und beruhigen. Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen.
Wenn ich nur schon auf der Laufstrecke wäre. Bei dem Gedanken an den Riegel, den ich in meiner Tasche umher trug, wurde mir noch schlechter als mir erst schon war. Aber essen musste ich ihn. Komme was wolle.
Die Zeit raste förmlich. Plötzlich standen die Jedermänner in der Startbox. Ich hatte gefühlt ständig die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Einatmen, ausatmen.
IMG_7732
Dann standen plötzlich die Topstarter im Wasser, was für mich wohl der „Point of no return“ war. Rien ne va plus-nichts geht mehr.
Ab ins Wasser. Ein paar Züge zum Einschwimmen. Dann sagte der Sprecher irgendwas mit pinke Badekappe und Start, meine Füße setzen sich wie von allein in Bewegung in Richtung Startbox. Tunnelblick, bis mir meine Freundin Anja um den Hals fiel.
Solche Momente sind Gold wert. Jedenfalls für mich. Danke Anja 🙂

Dann fand ich mich in der Startbox wieder. Das Herz raste, was um mich rum passierte nahm ich nicht mehr wahr. An den Startschuss kann ich mich nicht mehr erinnern.
Nur daran, dass sich irgendwann alles in Bewegung setzte. Und dann schwamm ich. Ca. 500 Meter, bis ich mich zum ersten Mal verschluckte. Panik stieg auf während ich nach Luft rang. Anhalten. Ausschau nach einem Helfer halten. Ist es hier schon zu Ende. Auf den Rücken gedreht, Rückenschwimmen. Versuchen ruhig zu atmen. Geschafft. Gleichmäßig weiter, einatmen, ausatmen.
Die Brille beschlägt. Mist, warum jetzt. Was tun? So weiter schwimmen war undenkbar. Also erneut anhalten. Brille aus. Wohin mit dem Ding? Wegwerfen? Einem Helfer in die Hand drücken? Schlussendlich ins Trikot gestopft, in der Hoffnung das sie noch da ist beim Schwimmausstieg.
Verdammt, da hinten kamen die Männer schon. Gefühlt war das Zeitlupenschwimmen. Egal, weiter, einfach immer weiter.
Das mit dem Verschlucken fand ichs offensichtlich so prima, dass ich es gleich noch ein zweites Mal machte.
Gleiches Spiel wie beim ersten Mal.
So bahnte ich mir meinen Weg, Meter um Meter Richtung Schwimmausstieg.
Schwimmen geschafft nach 41 Minuten, mein Rennen beginnt also jetzt.

Ab ins Wechselzeit. Füße trocknen, Socken an, Schuhe an und los. Ein laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanger Weg zum Rad, auf dem ich mich ganz bewusst nicht hetzte. Jeden einzelnen Moment aufsaugen, kurz Kräfte sammeln. Los gings Richtung Frakfurt. Anja und André gaben mir noch eine Portion Rückenwind und ich trat in die Pedale. Mit einem Schnitt über 30 km/h war ich ziemlich zügig in Frankfurt. Und plötzlich bekam ich Spaß. Die Zuschauer am Rand waren super. Sie jubelten und brüllten, klatschten und feuerten an was das Zeug hielt. Das Wetter war prima, die Stimmung hätte nicht besser sein können.
Da tauchte auch schon die Streckenmarkierung auf. 20km stand da.
Ein kurzer Blick auf die Uhr: 50 Minuten. Hui. Damit hatte ich nicht gerechnet. So fuhr ich freudig vor mich hin, bejubelt und beklatscht. Das Schild mit dem Warnhinweis „LANGSAM“ nahm ich noch war, aber verarbeitet hatte ich es nicht. RUMS! Die Straßenbahnschienen! Viele Straßenbahnschienen. In vollem Tempo ging es drüber. Die Schläge die es gab und die Geräusche die mein Rad dabei machte, jagten mir einen riesen Schrecken ein. Auwei. Hoffentlich ist alles heil geblieben. Merken für die zweite Runde. Auf der war ich auch schon bald. Wegen mir hätte das auch noch ewig so weitergehen können. Und dann rief eine mir bekannte Stimme auch schon: „Vor der roten Linie bitte absteigen.“

Nach 01:29:33 kam ich also vom Rad. Es wäre auch noch schneller gegangen, aber wie wir ja wissen, ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste.

Ein kleines Highlight war Denise, die mit der Startnummer 394 immer kurz hinter oder kurz vor mir fuhr. Es waren eine Menge witzige Begegnungen, die in der Wechselzone mit einem kurzen Gespräch endeten. Wenn du das hier als irgendwann mal liest: Vielen Dank 🙂 Ich nehme mir deinen Ratschlag zu Herzen.

Noch 03:03 Minuten in der Wechselzone zugebracht. Und raus auf die Laufstrecke.

Am Morgen hatte ich mir gewünscht doch endlich schon hier zu sein. Und jetzt war ich fast schon ein wenig traurig.
Und so lief ich. Mal schnell und mal langsam, ich habe jede Sekunde genossen. Jeder Schritt trug mich dem Ziel entgegen. Verrückt.
Eines der Worte die mir oft durch den Kopf gingen.

Die Strecke war gesäumt von lieben Menschen. Bee die plötzlich meinen Namen rief. André der überall auftauchte und mir das Leben so angenehmer machte. Und so war ich dann auch auf der 2. Laufrunde angekommen.
Als ich das Rundenbänchen sah musste ich schmunzeln. Herzblut stand drauf.
So ging es noch einmal rund um die Börse, vorbei am Frankfurter Laufshop, über die Zeil und schließlich im Ziel.

Geschafft. Nach 03:28:05 stand ich tatsächlich im Ziel. Und das hatte ich ganz alleine fertig gebracht.
Und das was vor allem in diesem Tag und in den letzten zwei Jahren steckte war Herzblut.
Deshalb wird das Bändchen seinen Platz an meinem Handgelenk behalten.
Ein Finishershirt der anderen Art 😉

Diese Diashow benötigt JavaScript.

P.S. Wenn ihr euch fragt, welches der schmerzhafteste Moment des ganzen Tages war: das Stehenbleiben im Ziel. Hätte ich gewusst, dass ich es danach am meisten weh tut, wäre ich einfach weiter gelaufen. Mittlerweile hat sich alles relativiert 😉

Advertisements

27 Antworten zu “Frankfurt City Triathlon 2014

  1. Glückwunsch Miss kleine Ironwoman! 😀

  2. Glückwunsch! Super gemacht und schöner Bericht!

  3. Spitze gemacht, hoffe bin den diesen Sonntag auch ein kleiner Ironman, nach 3 Sprints endlich die Olympische! Et muss!
    Dir aber hier nochmal alle Glückwünsche von uns Flitzpiepen aus Berlin 😀

  4. Glückwunsch zum Finish – das Wasser schlucken kenne ich – als früherer Leistungsschwimmerin kann ich nur sagen „kein Maul Wasser genommen, kein gutes Training“ 😉

  5. Glückwunsch dir! Spitze gemacht!

  6. Wunderschön zu lesen dein Bericht. Förmlich aufgesogen 🙂 Bislang spiele ich ja mit einem Marathon im nächsten Jahr. Aber so…….. mmmhhh…… könnte auch ein Triathlon werden 😀

  7. Glückwunsch Katrin, Du Triathletin!!!! Einfach grandios. Das „erste Mal“ bleibt einem für immer im Gedächtnis, ob Tria oder Marathon. Genieße noch die schöne Post-Wettkampf-Phase! Umarmung!

  8. Huhu Katrin,

    ich hatte dir vor einer ganzen Weile versprochen, in Wiesbaden dabei zu sein. Das ist ja dann leider ausgefallen. 😉 In Frankfurt konnte ich jetzt leider nicht dabei sein, das ist mittlerweile ein bisschen zu weit weg für einen Tagesausflug.
    Trotzdem war ich in Gedanken dabei. Freut mich, dass es dir Spaß gemacht hat und das alles gut über die Bühne ging.

    Ich bin gespannt, wann die Routine einsetzt. 🙂

    Glückwunsch!

  9. Mein Herzblutmädchen- so stolz! 😘

  10. Wow, wie toll! Dieses Mal habe ich bei deinem Post total mitgefiebert! Vor allem bei dem Wort „Straßenbahnschiene“. Bei denen habe ich selbst schon ein paar nette Unfälle erlebt. Aber du bist heil geblieben, hast es ins Ziel geschafft und dir die Freude mit genommen. Das finde ich toll! Herzlichen Glückwunsch!
    Übrigens: Triathlon wird mein großes Ziel für 2015!

  11. Auch hier noch einmal herzlichen Glückwunsch zu diesem grandiosen Finish. Wie schön!

    Ein toller Bericht einer Triathletin, die sich erfolgreich durchgekämpft hat.

    PS: Pinke Badekappen und so ein entzückendes Rundenbändchen. Wunderbar!

  12. Pingback: Ironman Frankfurt 2015 | Katrin goes Trailathlon

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s