Herzblut


Herzblut, für alles was man tut, braucht man Herzblut.
Im Duden heißt es: Sein Herzblut für jemanden/etwas hingeben.

Und für mich persönlich steht es ganz weit oben auf der Liste der Dinge, die man unbedingt haben bzw. investieren muss.

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Das tue ich.
Wenn ich laufe zum Beispiel, hängt da mittlerweile ne Menge Herzblut drin.
Wenn ich laufe, beobachte ich meine Umgebung. Die Ruhe der Wiesen und Wälder. Die Pferde auf ihren Weiden.
Die Flugzeuge am Himmel. Die Sonnenauf und -untergänge. Das rascheln des Windes in den Blättern, das Zwitschern der Vögel.
Die Regentropfen im Gesicht.

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Das war nicht immer so. Früher habe ich mich schnaufend durch die Straßen geschleppt.
Erst als ich anfing das Laufen mit anderen Augen zu betrachten und Herzblut hineinzustecken hat sich das entwickelt.
Ich möchte auch nicht unbedingt schnell rennen können. Ich bewundere Menschen, die schnell rennen und das als entspannend bezeichnen können.
Mir reicht das ich rennen kann.
Und das tu ich gern.
Ich laufe gern. Mit Menschen die mir Nahe stehen, die meine Gesellschaft zu schätzen wissen, aber auch allein. Kilometer um Kilometer, einer nach dem anderen.
Meine 10km Bestzeit liegt weit über einer Stunde. Wahrscheinlich wird sie nie darunter liegen. Mit mir kann man während eines Wettkampfs sicher keinen Blumentopf gewinnen.
Ich werde niemals Bestzeitenläufer, Bestzeitenradler, Bestzeitenschwimmer oder Bestzeitentriathlet.
Das stört mich herzlich wenig.
Manche belächeln mich vielleicht milde, weil ich langsam bin.
Manche meinen jetzt vielleicht, dass das an mangelndem Ehrgeiz liegt. Nein, da muss ich euch enttäuschen, das tut es nicht.
Herzblut ist Leidenschaft. Wer Leidenschaft hat, der hat Ehrgeiz. Soviel ist sicher.
Und ich laufe. Nicht für irgendwelche Ziffern, die auf einer Uhr angezeigt werden. Was sagt das schon aus.

Wenn ich Radl fahre, dann muss ich das nicht tun, bis die Beine brennen und die Lunge dazu. Das der Tacho immer einen Schnitt über 35km/h zeigt.
Ich fahre gern schnell, sehr gern. Mit dem Mountainbike. Über Stock und Stein, am liebsten bergab. Abseits der Wege.
Dann tanzt mein Herz.
Wenn ich Rennradl fahre, dann um anzuhalten und Eis zu essen, wenn mir der Sinn danach steht.
Um am liebsten „Huiiiiiiiiiiiiiii“ zu rufen, wenn man den Berg hinab saust und der Wind um die Ohren pfeift.
Um eine Tour durch die schönsten Ecken zu machen und zu genießen das wir privilegiert sind zu tun, was wir tun.

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Nun kann man sich fragen, warum macht sie dann Wettkämpfe, wenns ihr doch nicht um die Bestzeit geht, ums Beweisen, wenns ihr nicht um den Wettkampf an sich geht. Warum läuft und radelt sie dann nicht nur kommentarlos durch die Gegend.
Das ist ganz einfach erklärt. Weil ich es mag. Ich mag das Gefühl es zu schaffen.
In welcher Zeit ist mir dann egal. Beweisen muss ich mir nichts mehr.
Ich mag es die Menschen zu sehen, die fokussiert sind auf das was bevor steht. Freudig aufgeregt. Jeder auf seine Art, jeder mit seinem Herzblut, jeder mit seinem Ziel.

Es gab eine Zeit in der wusste ich nicht was es heißt sein Herz an Dinge zu hängen. Sie mit Herzblut und Liebe für die Sache selbst zu erledigen.
Da war mir meistens ziemlich viel, ziemlich egal. Das ich mal tue was ich seit 2 Jahren eben so tue, war unvorstellbar für so ziemlich jeden der mich kennt. Für mich genauso.
2015 werde ich viele Kilometer laufen. Ich werde stehenbleiben, wenn mir danach ist. Ich werde die Wolken kitzeln, bevor ich wieder bergab renne. Ich werde mich umschauen, wann immer mir danach ist.
In jedem einzelnen Kilometer wird eine Menge Herzblut stecken, denn jeder meiner Kilometer hilft und tut etwas Gutes, egal ob zu Fuß, zu Wasser oder auf dem Rad.
Nicht nur den kleinen Menschen da draußen. Nein, auch mir. Seelenbalsam.

Seitdem ich weiß, wie sich es anfühlt, wenn man Dinge nicht einfach nur so macht, möchte ich es nicht mehr missen.

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19 Antworten zu “Herzblut

  1. Steckt da nicht auch im Schreiben Herzblut? Schöner Text! 🙂

  2. Toll!Deine Worte kann ich sehr gut nachempfinden!

  3. Wichtig ist nicht wie gut wir etwas tun, sondern wie gerne, damit es erfolgreich ist. Und zwar erfolgreich im Sinne von uns gut tut! Also mach weiter wie du es machst! 🙂

  4. Katrin…ganz klasse geschrieben und du sprichst mir aus der Seele. Klar ist es schön etwas schneller gelaufen, geradelt oder geschwommen zu sein als beim letzten Mal…aber richtig wichtig ist das nicht ! Da springe ich lieber in die Luft…drehe mich…freue mich…und grinse innerlich über das Kopfschütteln der Läufer welche mich beobachten und denken…ahhh…wieder 20 Sekunden verschenkt! Ganz ehrlich…MIR DOCH EGAL ! ;o) Mach es weiter…und genau so…nach deinem Geschmack und Empfinden, denn diese erlebten intensiven Momente sind das Herzblut…

  5. „Alles ist gut, was man gerne tut. Spielt keine Rolle, ob bejubelt oder ausgebuht.“ Das kam mir spontan in den Sinn, als ich Deinen Text las. Sehr schön geschrieben. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie jeder das Laufen anders wahrnimmt und wie verschieden die Motive dahinter sind.

    Achso, das Zitat stammt aus einem alten Fanta 4 Song: Smudo schweift aus.

  6. 100% d’accord – und Danke für’s dran erinnern, es mehr zu genießen!

  7. Spricht mir aus der Seele! Ein sehr schöner Beitrag! Genießen wir es! 🙂

  8. Deswegen gibt es ja den Ausdruck „Genussläufer“ 🙂 Frauchen läuft ab und zu mal, wenn ihr danach ist, mit weit ausgestreckten Armen über eine Wiese – die Reaktionen sind von breitem Lächeln bis mißbilligendem Kopfschütteln … egal, Hauptsache es macht ihr Spaß. Genau die Du es sehr treffend und berührend beschreibst – nicht Bestzeitenjagd, sondern ein schönes Erlebnis haben 🙂

  9. Ein toller Beitrag! Herzblut braucht es einfach für so viel im Leben und es bringt uns so viel weiter. Selbst wenn es eine Sache ist, die nur wir selbst verstehen und in die nur wir Herzblut zu stecken scheinen. Mache weiter so und behalte dir dein Herzblut für alles, was du jetzt liebst.

  10. Wunderbarer Beitrag! 🙂 Viel zu oft fehlt bei manchen Aktivitäten das Herzblut, wo welches gebraucht würde. Dieses Herzblut bestimmt schlussendlich den Wert für einen selbst an einer Sache.
    Liebe Grüße

  11. So soll es sein. Solange Du Freude – kein Spaß! – am Laufen hast, ist die Zeit, die Du unterwegs sein wirst völlig egal. Ich denke, ich kann 10km unter 1 Stunde laufen, aber will ich es überhaupt? Keine Ahnung, es ergibt sich vielleicht irgendwann einmal von ganz alleine.

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