Rennsteiglauf 2015


Am 09.05.2015 war es soweit.
Der Rennsteiglauf.

Der erste Wettkampf in diesem Jahr und somit auch der erste Formtest, wie das mit den Bergen und mir so funktioniert.

Freitag ging es bereits in Richtung Oberhof. Das Abholen der Startnummer stand auf dem Plan.
Bei 6500 Halbmarathonis könnte das ein längeres Unterfangen werden, dachte ich jedenfalls.

CEe9cSAWMAAKonF

Bei der Ankunft in der Dreifelderhalle war ich auf eine entsprechende Wartezeit eingestellt. Aber Pustekuchen. Reingelaufen, Bestätigung gezeigt, Nummer bekommen, rausgelaufen.
Innerhalb von 5 Minuten war das Spektakel erledigt.
Das ging fix und ist einzig und allein der perfekten Organisation zu verdanken.

Nun wird es also mal wieder Ernst.
Ab nach Hause. Klamotten zusammen gesucht. Aus der legendären Kloßparty wurde leider nichts. Dafür gab es eine private Pastaparty am heimischen Küchtentisch.

Das Weckerklingeln am nächsten Morgen um 04.00 Uhr hätte ich sehr gern ignoriert.
04:00 Uhr ist einfach nicht meine Zeit. Aber Start war um 07:30 Uhr. Ich hatte mir das ja selbst so ausgesucht.
Und so nahm das Vorwettkampfsdrama, wie gewohnt seinen Lauf.
Der Magen meldete wie immer seinen Protest an, Nahrungsaufnahme findet er in der Regel vor einem Wettkampf nicht so gut.
Frühstück Fehlanzeige!
Halbmarathon ohne Frühstück ist aber reichlich doof.
Also hab ich in Zeitlupe genau 5 (!) Minizwieback geknabbert. In Zeitlupe! Mit angewidertem Gesichtsausdruck.
Aber besser als gar nichts. Auch Minizwieback liefert Energie.
Ganz bestimmt, man muss nur dran glauben.
Ab ins Auto. 30 Minuten Fahrtzeit bis Oberhof.

Es gibt wenige Momente, in denen es mir schlechter geht und in denen ich überzeugter bin, dass das mit dem Sport alles total großer Mist ist. Jedes Mal!

50 Minuten bis zum Start.
Hunger, Pippi, kalt. Ok, Hunger eher nicht. Eher übel, richtig übel. Einatmen, ausatmen.

Es dauerte gefühlt ewig bis der Startschuss für unseren Block fiel. Trotz Rennsteiglied. Die Stunden vom Aufstehen bis zum Start sind die schlimmsten.
Aber irgendwann geht’s immer los. Die Anspannung fällt ab. Die Übelkeit hört auf, man fokussiert sich.
Und so trabten wir los. Nur nicht zu schnell. Langsam angehen das Ganze.

Nach einer langen Geraden ging es scharf links in den Wald.
André zog vorher schon weg. Wir hatten uns geeinigt, dass jeder sein eigenes Tempo läuft.
Aber was war das:
Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaalt! Stoooooooooooooop! Eine Abzweigung, nichts abgesperrt, zwei Wege zur Auswahl? Hä?
Wo jetzt lang? Eine Hälfte tobte nach rechts, die andere nach links.
Und ich, ich blieb stehen.
Darauf war ich nicht eingestellt.
Solche Entscheidungen kann ich während eines Rennens nicht treffen.
Und so stand ich da und so sind (á la crash-boom-bang) zahlreiche Menschen in mich hineingerannt.
Fluchend versteht sich. Was mir egal war, ich war mit der rechts oder links Entscheidung beschäftigt.
Wenn man gern alles hinterfragt, wird’s in solchen Situationen hakelig.
Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich mich für links entschieden.

Hier ging es dann auch schon bergauf. Bergauf heißt: extreeeeeeeeeeeemes verlangsamen der Geschwindigkeit der Mitläufer. Entschleunigung, oder so. Soll ja gesund sein.
Es war ein wenig wie Rush Hour. Gas geben, bremsen, rechts überholen, links überholen, Gas geben, bremsen.
Gefühlt bin ich bei dem ganzen hin und her, vor und zurück doppelt so viel gelaufen, wie nötig.
Immer auf der Suche nach einer Lücke, durch die man sich mehr oder weniger elegant manövrieren konnte.
Hoffen das man niemandem unglücklich vor die Füße springt-was sich nicht immer vermeiden lies.
Geschuldet ist das wahrscheinlich dem Startblock Nummer 6 und das ich so in einem riesigen Pulk Menschen steckte.

Bei Kilometer 6 nahte die erste Verpflegungsstelle.
Und in all den Anlauf-/Bremsmanövern gab es irgendwann einen stechenden Schmerz in der rechten Kniekehle. Luft anhalten. Augen zu. Einatmen, ausatmen. Autsch.
Bergauf fand ich plötzlich nicht mehr so lustig. Aber aufgeben gilt nicht.
Nicht bei mir!
Einen Schritt vor den anderen.
Der höchste Punkt kommt bei Kilometer 9, danach wird alles besser.
Und so war es.
Bergauf wurde auf Gehen umgeschaltet, alles was gerade und bergab ging funktionierte laufend noch ganz gut. Zum Glück.

Und dann ein weiterer kleiner Lichtblick. Isa, Laura und Bea tauchten vor mir auf. In Block 7 gestartet hatten sie mich irgendwann überholt.
Schnell war ich aufgelaufen und so machten wir uns zu viert auf den Weg Richtung Ziel.
Plappernd verging die Zeit wirklich schnell, die Kilometer zogen nur so dahin und das Knie war fast vergessen.

Für einen kurzen Moment konnte ich es dann tatsächlich laufen lassen, weil die Menschenmassen überschaubar waren. Und so haben sich die Beinchen dann doch für einen kurzen Moment ausgetobt.
Die 3 Mädels sollten mich aber an der letzten Steigung wieder einholen.
Und so ging es wieder im Quartett weiter.

Als mir an einem Baum das weiße Schild mit der großen 18 entgegen leuchtete, habe ich zum ersten Mal einen Blick auf die Uhr riskiert.
Oh! Mit ein wenig Glück und ein wenig Platz, könnte das noch Bestzeit werden.
Die hatte ich vor genau einem Jahr bei meinem ersten Halbmarathon in Mainz aufgestellt.
02:26:48
Das Training dafür hatten wir damals in 6 Wochen runtergerissen.
Der Bestzeitengedanke war relativ schnell wieder verschwunden.
Wenn’s klappt, klappst, wenn nicht, nicht.

Der Zieleinlauf empfing uns mit dem Fliegerlied von Tim Toupet.
Und ich flieg, flieg, flieg wie ein Vogel…
Irgendwie passend. Die letzten Meter fühlten sich tatsächlich so an.
Irgendwie schrecklich schön.
Und dann war es plötzlich schon da.
Das Ziel.
02:24:18 sagte die Nettozeit. Was also hieß, dass ich 02:30 Minuten schneller war als bei meinem ersten Halbmarathon. Trotz Stop and Go und „angeschossenem Knie“

IMG_1358

Das schönste Ziel der Welt ist in Schmiedefeld.
Stimmt!
Deshalb machen wir das nächstes Jahr nochmal. Aber Marathon. Am liebsten schon morgen 🙂

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Alles in allem lässt sich sagen, dass es ein rundum gelungenes Wochenende war.
1500 freiwillige Helfer waren am Werk, mit ganz viel und denen an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön gilt.
Ihr habt es zu einem unvergesslichen Event werden lassen.

Advertisements

32 Gedanken zu “Rennsteiglauf 2015

  1. Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Leistung!

    Aber…OmG! 6500 Mitläufer, und das nur bei „einer“ der angebotenen Strecken? Holla, das ist ne mächtige Hausnummer…mir persönlich wäre das nix. So ticken eben alle anders 😉
    Das Wichtigste ist immer, das man seinen Spaß hatte und auf die eigens erbrachte Leistung stolz sein kann 🙂

  2. Super, auch von mir herzlichen Glückwunsch!!! – auch für die Überwindung des inneren Schweinehundes 🙂 Nur solche Pannen wie zwei Abzweigungen sind doch der Horror! Ok, alles gutgegangen und hinterher fühlt man sich doch als der glücklichste Mensch auf Erden – ist es nicht so?

  3. Glückwunsch! Super gelaufen! Und das trotz Panne am Anfang. Minizwieback bringt’s halt. 🙂
    Hast Du eigentlich im Nachhinein herausbekommen, was es mit den zwei Abzweigungen auf sich hatte? Oder konnte man sich das aussuchen? Sehr verwirrend!

    1. Ha! Minizwieback! Ich sags ja.
      Auf diesen Post, hat sich Christoph vom Rennsteiglauf-Team bei mir gemeldet. Es gingen beide Wege, sie habens schon besprochen und geloben Besserung an der Stelle 🙂

      1. Es war gekennzeichnet auf dem Boden und an den Bäumen. Aber du weisst ja wie das ist. Wenn einer mal verwirrt ist, gibt das gleich ne Kettenreaktion.
        Aber ich muss wirklich sagen, tolle Leute bei dem Lauf. Das da auch postwendend ne Reaktion kommt, finde ich sehr gut.

  4. Glückwunsch zum erfolgreichen Finish und zur neuen Bestzeit. Aber die kannst Du ja nächstes Jahr gar nicht unterbieten, wenn Du gleich beim Marathon startest 😉 P.S. Die Läufe in Florida starten um 6 Uhr früh …. da heißt es auch immer einen Toast reinwürgen vorher … plus Banane, das geht immer egal zu welcher Uhrzeit …

  5. Ein sehr schöner Beitrag. Gratuliere Dir herzlich zu Deiner neuen Bestzeit. Schade nur das nun soooo viele liefen die ich über FB kenne, nur nie hab ich jemanden von Euch dort getroffen. Na gut nächstes Jahr bin ich wieder dort, HM, der letzte bevor es direkt zum Ultra geht!!! Viel Glück weiterhin.

  6. Yeah, Glückwunsch zum Finish und zur Zeit!

    Genau mit diesem Lauf hat 2012 bei mir alles angefangen.
    Mal schauen wie das bei dir weiter geht 😉

  7. Großartig, super wie Du das trotz aller Unwegsamkeiten am Anfang durchgezogen hast mit den endlosen Trainingseinheiten!! Sei stolz auf Dich und genieß das – hoffentlich noch langanhaltende – Glücksgefühl 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s