Taunustrails


Ein verlängertes Wochenende zaubert den Naturliebhabern immer Herzchenaugen.
Mir auch.
Obwohl das eine ganze Menge Menschen eine sehr lange Zeit nicht für Möglich gehalten hätten.

So ein Pfingstwochenende kommt einem da schon sehr gelegen, wenn man für den Rest des Jahres diverse Pläne hat.
Ein schlauer Mensch hat genau deshalb folgendes in den Trainingsplan geschrieben:
Sonntag: 3 Stunden Trail
Montag: 4,5 Stunden Trail

Die einzigen beiden Worte die mir dazu einfallen und annähernd beschreiben, was an diesem Wochenende passiert ist und wie es sich angefühlt hat:
Unfassbar & bekloppt. Oder auch unfassbar bekloppt.

Schuhe

Der Samstag war schlimm. Ruhe halten war angesagt. Die Ruhe vor dem Sturm. Das Auge des Tornado, sozusagen.
Ich hatte Bewegungsdrang. Schlimmen Bewegungsdrang. Solche Tage sind nicht einfach für mich. Für meine Umwelt auch nicht. Ich bin maulig und nur leidlich zu ertragen.
Irgendwie habe ich mich mit Einkaufen und Steuererklärung über Wasser gehalten und wie der Löwe im Käfig tigernd auf den Sonntag gewartet.
Der war dann auch da. Aufstehen, Frühstück, Sachen packen. Ins Auto und los. Ein Stückchen weiter in den Taunus.
Zu Andrés Papa.
Sehr schnell war klar, dass wir auf Teilstücken wieder ein eigenes Begleitfahrzeug/Kamerateam (bestehend aus Papa und kleiner Schwester) hatten 🙂

Auf los geht’s los.
Los.
Rund um den Winterstein hatten wir die Route getauft. Start mit einem kleinen, schnuckeligen Trail, immer am Hang entlang, mit prächtiger Aussicht.
Burg Kransberg
Das funktionierte alles noch ganz gut. Die erste Bergab-Passage auch noch.
Bergauf funktionierte dann nicht mehr so viel. Mir wurde ein wenig dunkel vor den Augen, es drehte sich ein wenig was um mich herum.
Kurzum, ich hatte den Eindruck, dass hier irgendwas nicht mehr so ist, wie es sein soll.
Pause. Atmen.
Kamerateam im Wald, also zurück zum ursprünglichen Plan, weiter bergauf.
Ein paar Fotos, ein paar Aufnahmen mit der Kamera und weiter ging die wilde Fahrt.
Mehr schlecht als recht bei mir, ganz gut bei André.
Jedenfalls gefühlt.

Das änderte sich auch 12 km später nicht. Ich fand keinen Rhythmus, nichts funktionierte. Iso fast leer, Wasser leer, Riegel auch weg.
Grmpf.
Aber egal, einfach immer weiter. Von einem Aussichtsturm zum Nächsten. André trabte locker vorneweg, ich stampfte hinterher.
Schwerfällig, zornig, leidend. Aber immer einen Fuß vor den anderen und ich wurde belohnt. Mit einer langen Bergab-Passage.
Ich liebe es. Einfach die Beine laufen lassen.

Nach 22 Kilometern und 3 Stunden war Schluss. Kopf fertig. Körper auch. Der Nacken war völlig verspannt. Warum weiß ich nicht genau.
Und das sollte sich noch rächen.
Mit Grill und Salat wartete wohl die beste bislang dagewesene Zielverpflegung auf uns. Mit der Nase in der Sonne lies es sich so aushalten.

Winterstein

Stunden später fand ich mich auf der Couch. Mit Migräne. Das war wohl die Rache des verspannten Nackens.
Also wurde auch die Nacht zum Tag. Zum Wandertag. Couch-Boden-Couch-Stuhl-Couch-Bett…usw.
Am Morgen hab ich kapituliert und die aus der Notfallapotheke herangekarrten Schmerzmittel in Elefantendosis eingenommen.
Ob die 4,5 Stunden Training so zu realisieren waren, wusste ich nicht.

Am späten Nachmittag hatte ich mich einigermaßen gefangen.
Gleiches Spiel wie am Tag davor: Essen, Sachen packen.
Auf Los geht’s los. Nur vorsichtig.

Bergauf würde ich gehen, soviel stand fest. Den Puls nicht zu hoch jagen um das Hämmern im Kopf nicht wieder heraufzubeschwören.
Muskulär fühlte sich das alles ein wenig unschön an. Das war jetzt nicht neu und zu erwarten.
André trabt wieder vorneweg und ich, ich habe Bauklötze gestaunt, unglaublich wie viel Kraft dieser Mann hat.

15km später stand ich auf dem Feldberg. Zum ersten Mal hatte ich ihn laufend erklommen. Ein bisschen stolz war ich schon, vor allem, weil ja in den Knochen schon 22km mit 500 Höhenmetern steckten.
Nach einer kurzen Stärkung (Käsekuchen-omnomnomnom) war klar, ich würde von der ursprünglich geplanten Route abweichen und den gleichen Weg zurück wählen.
2 Täler und 2 weitere Berge würde ich nicht mehr leisten können. Also „Bitte wenden“
15km bergauf, heißt im Umkehrschluss nämlich auch, mindestens 10km wieder bergab 🙂
Bei denen ich sicher einen Gang rausnehmen musste, um sicher anzukommen.
Die Trails bergab sind voll mit kleinen Wurzeln und losen Steinen, die immer gesteigerte Aufmerksamkeit verlangen.
Langsam Bergab laufen fällt auch eher in die Kategorie: Unnötig.

Feldberg

Etwas über 2 Stunden hatte ich nach oben gebraucht, somit würden grob gesamt die 03:30 Stunden voll werden. Was mir auch genug war.
Manche Dinge muss man nicht erzwingen.
Das am Ende dann doch 27 Kilometer aus der Runde wurden, mit knapp 800 Höhenmetern, hat mich schon ein wenig erstaunt.

Fazit: 2 Tage, 49 Kilometer, 1300 Höhenmeter.
Schöne Momente, schmerzhafte Momente, lustige Momente, zornige Momente.
Wie das in einem Bild aussieht? So!
erledigt

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14 Gedanken zu “Taunustrails

  1. Habe ja schon auf Twitter und Instagram einiges mitbekommen. Klasse Leistung. Um so bewundernswerter bei deinen Kopfschmerzen. Hoffe, dass es nun wieder besser geht. Hier ist das mit den Wetterwechseln immer noch nicht so einfach…

    Dann auch weiterhin ganz viel Spaß bei den Höhenmetern.

  2. Genialer Bericht der uns Hobby-Bekloppten doch allen aus der Seele sprechen muss! So sind unsere Tage und unsere Wochen. Niemals sind sie perfekt und ganz oft ist das Leben einfach viel zu kompliziert für Sport … aber am Ende ziehen wir das Ding durch und sind kaputt aber happy … so wie Du.

    Absoluten Respekt – der Basetrail XL kann kommen, würde ich sagen.

  3. Ich schließe mich nur zu gerne den Komplimenten an! Da ich den Großen Feldberg kenne, weiß ich deine Leistung SEHR zu schätzen – vor allem auch unter den von dir beschriebenen Bedingungen. Aber die Kämpfernatur hat sich durchgesetzt! 🙂 Bravo!

    Nur, du weißt es ja selbst – (und bitte nicht falsch verstehen, ich möchte nicht kritisieren – das steht mir auch nicht zu) aber manchmal ist etwas weniger mehr, auch für die „Jungen Dynamischen“ :-). Gerade dann, wenn der Körper nach Erholung schreit. Aber ich kenne das ja auch, manchmal muss man sich einfach durchbeißen!

    Weiterhin viel Erfolg und beste Grüße

    1. Danke dir lieber Robert 🙂
      Auch die jungen Dynamischen hören auf ihren Körper. Ich jedenfalls. Dafür hab ich mir schon zu viel kaputt gerannt. Es wird seit geraumer Zeit auf den Körper gehört. Liebe Grüße

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