Feldberg-Die Kopfeinheit


Gestern war es also soweit.
Meine Kopfeinheit!
Die für mich wichtigste Einheit des Vorwettkampfgeschehens.
Ich muss mich einmal selbst davon überzeugen, dass ich in de Lage bin diese Distanz zu meistern. Annähernd jedenfalls.
Sonst wird alles eine Katastrophe.

Und Katastrophen brauche ich nicht. Nicht vor einem solchen Wettkampf.
Der Plan war klar. Die 3 Stunden am Samstag hatten wir erfüllt. 25 Kilometer. Auf Asphalt. Das war eine neue Definition von Schmerz.
Die Route für Sonntag war schnell erstellt.
34 Kilometer, 1000 Höhenmeter.
Sandplacken-Altkönig-Fuchstanz-Feldberg.
Sah harmlos aus, so auf der Routenplanung.

Routenplanung

Meine Angst war aber groß. Die Knie taten von dem Asphaltgetrampel wirklich weh. Wie ich das sonst weggesteckt hatte, wusste ich auch noch nicht.
Sachen gepackt. 1,5 Liter Wasser, 0,5 Liter Iso, 2-3 Riegel, Obstpüree.

Auf Los geht’s los. Nach einem halben Kilometer sehnte ich mich nach Wald! Wald, bitte schnell. Die pralle Sonne würde ich nicht lange vertragen.
Bei Kilometer 5 war ich nicht sicher und hatte keinen Plan, wie ich noch weitere 29 dranhängen soll.
Ein Fuß vor den anderen! Eins, zwei, eins, zwei.
Manchmal müssen Dinge einfach wieder ins Hirn gerufen werden: Kopf aus! Mundwinkel hoch!
Jawohl.

Und siehe da. Plötzlich liefs. Naja manchmal ging es auch. Bergauf ging es sehr gern sogar.
Aber die Pace die ich mir hier versaue, mache ich bergab wieder wett.
Irgendwann habe ich scheinbar die Uhr pausiert. (unwissentlich?-vielleicht auch nicht zurechnungsfähig) Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, es aktiv getan zu haben.
André erzählte freudig, dass wir schon 10km geschafft hätten. Auf meiner Uhr waren es irgendwie erst 6. Häh?
Ach schau an, die Uhr steht.
Die nächsten Kilometer war ich damit beschäftigt, mich darüber zu ärgern. Und ich habe mich wirklich geärgert.
Was eigentlich idiotisch ist, denn gelaufen bin ichs ja trotzdem.
Der Sandplacken war da schon fast unbemerkt vorbeigezogen.
Es tat weniger weh als erwartet. Das hat mich gewundert, aber war wohl gut. Den Gedanken an den Hammermann hab ich nicht zugelassen.

Ab jetzt also immer 4 Kilometer draufrechnen, wenn ich auf die Uhr schaue.

Der Sandplacken lag hinter uns, was im Umkehrschluss hieß: Abwärts!
Runter ins Tal, über die Kanonenstrasse. Auf der anderen Seite hoch auf den Altkönig. Im zick zack.
Langsam aber sicher, schlich sich ein konstant stechender Schmerz in der linken Hüfte ein.
So haben wir nicht gewettet Körper. Das wird ignoriert.
Vorsichtshalber versichert, dass André sein Telefon laut gestellt hat.
Ich würde anrufen, wenn es nicht mehr ginge. An laufen war nicht zu denken. Schnell gehen musste drin sein!
An jeder Weggabelung trafen wir uns.
Irgendwann war es geschafft. Der Altkönig. Faszinierend, was man von hier alles sieht. Ein bisschen zum verlieben.
Der Feldberg lag allerdings (gefühlt) Welten entfernt.
Weiter in Richtung Fuchstanz. Der relativ schnell auftauchte. Komische Geschichte mit dem Raum/Zeit Gefühl.

Diese Hüfte bringt mich um! Aber nein! Eins, zwei, eins, zwei. Immer ein Fuß vor den anderen. Hysterie des Körpers. Bei der Belastung ganz normal.
Hat schon Joey Kelly gesagt. Und der muss es ja wissen.

Feldberg 2,2km.
Das war mein Stichwort! 2,2km bis zur Cola.
Ich hab irgendwas gebrüllt und bin losgerannt.
„Cola ich komme“ oder so.
Die zahlreichen Menschen denken wahrscheinlich, ich sei total bescheuert.
Ja, bin ich auch. Das macht aber nichts.
Die Aussicht auf eine Cola lies sogar die Hüfte vergessen.
Die war scheinbar beleidigt und hat dann plötzlich einfach aufgehört. Aha. Auch gut.
Ehe ich mich versah, saß ich im Feldberghof und sagte strahlend: „Zwei große Cola bitte.“
Ich habe noch nie (!!!) mit einer solchen Freunde Cola getrunken.
Noch nie!

Cola

02:47:00, 20 Kilometer, 800 Höhenmeter bis hierhin.
Spannend, funktioniert scheinbar doch ganz gut.

Zeit die Sache zu Ende zu bringen. Also wieder runter zum Sandplacken. Downhill. Herzchenaugen! Liebe!
Also einfach laufen lassen. Gesagt, getan.
Ungünstig aufgekommen, ganz dumm umgeknickt mit dem linken Fuß.
Stehenbleiben? Nein. Nur nicht stehenbleiben. Weiter. Solange ich damit laufen kann, ist nichts kaputt.
So ließen wir den Sandplacken wieder hinter uns und mit ein wenig zick zack und einer erneuten Steigung sollte es gen Sofa gehen.

Bei dem Getrampel fehlt Stimmung dachte ich. (Was 1 Liter Cola so ausmacht)
Also gabs ein Ständchen. „Reißt die Hütte ab“ fand ich ne prima Wahl.
André hat sich zu diesem Zeitpunkt nur noch gewundert glaube ich. Aber damit kann ich umgehen.
Er wundert sich öfter, nehm ich an.

Kilometer 30. Huch. Wie Kilometer 30? Das ging jetzt wirklich schnell.
Man klingt mittlerweile wie Chewbacca himself. Ein Außenstehender würde denken, wir sind kurz vor tot, oder so.
Eigentlich wirds jetzt aber nur zäh.
Warum das Chewbacca Double erwacht weiß ich nicht genau.
André sagt: „Dafür das du seit 3 Stunden Schmerzen hast, bist du irgendwie flott unterwegs.“
Ja, tut ja irgendwann einfach nicht mehr schlimmer weh. Was es irgendwie wieder angenehm macht.
Und der hat gut reden, schließlich rennt er mir bergauf immer davon.
Was ich vorrangig darauf schiebe, dass ich ein Mädchen bin und einfach nicht die Kraft für so etwas habe.

Abwärts

Die letzte Steigung. Dann nur noch bergab.
Wow. Sollten wir das wirklich schaffen?
Der linke Knöchel macht sich bemerkbar. Aus Fury wird innerhalb von Sekunden ein lahmender Gaul.
Gleich geschafft.
Kurz wird mir klar: Ich habe Angst vor dem Stehenbleiben.
Das ist immer der schmerzhafteste Moment.
So auch hier.
34,41 Kilometer.
Ich schließe die Wohnungstür auf. Und da ist er. Der Küchenboden.
Dort liege ich. Lange. Mein Magen möchte sich gern übergeben. Das Atmen schmerzt.
André sagt, dass das normal ist. Ich gehe also davon aus, dass ich hier nicht verenden werde.
Wahrscheinlich. Also vielleicht schon, aber egal. Mir jedenfalls, zu diesem Zeitpunkt.
Ich weiß nicht mehr wie ich heiße, wer ich bin, was ich mache und wie ich es hierhin geschafft habe.
Aber ich bin innerhalb von kurzer Zeit 60 Kilometer gelaufen.
25 am Samstag, 35 am Sonntag.
Und es war toll. Mehr als toll. Ich bin stolz wie Oskar.
Die Kopfeinheit ist mit Bravour abgelegt.
Der Basetrail kann kommen.

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9 Antworten zu “Feldberg-Die Kopfeinheit

  1. Sehr schön dass du bei deiner Kopfeinheit auch mit ein paar Problemen zu kämpfen hattest, das macht sie umso wertvoller 🙂

    Gut gekämpft, Löwe!

  2. Fetten Glückwunsch – der Kopf ist bereit und das Tapering fängt bald an.

    Etwas lachen musste ich aber schon beim „Sandplacken“ … bei so einem Namen kein Wunder wenn man sich da hochplacken muss :-)))

  3. Am Sandplacken haben die Großeltern früher immer Urlaub gemacht, d.h. für Klein Anette gab es dort immer Sanddornsaft zu trinken – eine Delikatesse, nur dort, auf ewig mit diesem Namen verbunden … und bei Dir jetzt Feldberg = Cola! Glückwunsch, tolle (Tor)tour, Ihr beide schafft den ZUT nun locker 😉

  4. So eine kalte Limo kann die beste Erfrischung und das leckerste Getränk des Tages sein – kenn ich nur allzu gut 😉

  5. Eins zwei … eins zwei 🙂
    und dazwischen ab und an atmen!
    :*

  6. Großartig. Super. Dann kann es ja losgehen.

    Ich brauche solch Einheiten auch immer wieder. Neulich vor dem Velothon saß ich da so auf dem Rad und hatte echt gar keine Lust. Es lief mehr als bescheiden und zu allem Überfluss wurde ich dann auch noch richtig zickig. Meine Begleitung munterte mich dann auf. Müssen sie echt selten, aber die Einheit war echt die härte. Überstanden und zack, das Radrennen lief. Wünsche dir eine ebenso tolle Erfahrung beim Basetrail und bin gespannt, was du zu berichten hast.

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