Hinter den Kulissen (uncut)


Der Tag danach..
Eine Nachbetrachtung
Wir haben Dienstag.
Laut Adam Riese Tag 3 nach meinem ersten DNF.

Did not finish. Wie das schon klingt. Das ist zur eigentlichen Schmach noch ein Schlag ins Gesicht, wenn du diese 3 Buchstaben hinter deinem Namen in der Ergebnisliste siehst.
Vielleicht kann man es umbenennen, in irgendwas nettes. Etwas, was nicht noch so in die geschundene Läuferseele hat.
Manchmal ist es auch ganz schön, wenn man Dinge nicht beim Namen nennt. Aber nein. DNF.
Alle Welt kann es jetzt lesen. Egozentrisch wie wir sind, glauben wir vielleicht auch, das einer hinter vorgehaltener Hand über uns lacht und sich denkt, dass er das sowieso gewusst hat.
Vielleicht auch ein kleiner Sieg für die, die mir die Pest an den Hals wünschen.
Ich bin mir sicher, die gibt’s.

Wie man sich fühlt werde ich oft gefragt.
Ich hatte vorab schon eine Mail geschickt, mit einer kurzen Info, um Fragen im Büro aus dem Weg zu gehen und zu vermeiden, dass ich die Geschichte Milliarden Mal durchkauen muss.
Wer gibt schon gern zu, dass er unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren ist, wenn alle davon ausgehen, dass du am Startpunkt losläufst und im Ziel ankommst.
Ja, wie fühlt man sich.
Man fühlt sich, als hätte man ein halbes Jahr für eine Klassenarbeit gelernt und dann eine 6 geschrieben.
Wie der Moment, an dem du realisiert hast, dass der Papa das Fahrrad gar nicht mehr am Gepäckträger festhält und es dich voll hinhaut.

Eigentlich weißt du, dass du eine richtige Entscheidung getroffen hast, denn der Körper macht die Regeln. Nicht immer, aber meistens. Und den brauchst du noch ne Weile.
Uneigentlich bleibt das Gefühl des Aufgebens.
Der Kopf arbeitet und fragt sich ab und an, ob es nicht doch gegangen wäre. Wäre es gegangen, wenn ich den Kopf abgeschaltet und stumpf weitergegangen wäre?
Und doch weiß ich: Scheitern ist wichtig.
Wäre ich in meinem Leben nicht so häufig gescheitert, wäre ich nicht dort wo ich heute bin und hätte somit nie an der Startlinie des berüchtigten ZUT gestanden.

Wenn ich eines weiß, dann folgendes:
Steh immer einmal mehr auf, als du fällst!
Als ich im Hotel ankam am Samstag, hätte ich für einen endlos kurzen Moment wirklich Angst.
Angst das ich nie wieder Laufschuhe schnüren würde. Angst vor dem Ziel Ultramarathon im Karwendel.
Die Generalprobe dafür hatte ich ja soeben glorreich versaut.
Man denkt dann gern mal sehr schnell drüber nach, ob man überhaupt was richtig kann, wenn man das von dem man meint das man’s kann, schon nicht kann.

Bis ich beschlossen habe, dass ich hier Herr (eigentlich ja Frau-klingt aber nicht) im Haus bin.
Angst lähmt. Lähmen und laufen passt nicht. Lahmen auch nicht. Lahm ist jetzt auch irgendwie doof, wenn mans eilig halt.
Also blieb nur eine Wahl. Selbst in den Allerwertesten treten und dem Kopf ein bisschen auf die Sprünge helfen.

Manchmal braucht man noch ein bisschen Glück dazu. In dem Fall die Zugspitz Trailrun Challenge, die mir am 26.07. die Möglichkeit eines zweiten Versuchs gibt.
Der Halbmarathon wird meine nächste Chance.
22 Kilometer mit 1000 Höhenmetern.
Und im nächsten Jahr, im nächsten Jahr wird es der Supertrail werden beim ZUT.
Frei nach dem Motto: Immer einmal mehr wie du!
Und für nächstes Jahr habe ich Wetter bestellt! Das ist man mir schuldig! Wie ich finde.

   
   
Das Paket, welches auf meinem Schreibtisch wartete, ließ die Motivation vollends wieder aufleben.
Salming hat seinen Trailschuh auf den Weg geschickt, um mich wieder durch die Wälder und über die Berge zu tragen.
Wenn das kein Zeichen ist.

  
Wir gehen also in die Vorbereitung für den Supertrail 2016!
Dein rechter Haken war hart ZUT, zum knock out hat’s nicht gereicht.

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Veröffentlicht in 2015

16 Gedanken zu “Hinter den Kulissen (uncut)

  1. Auch wenn ich sonst eher der Realist bin, behalte ich mir einen „Killersatz“ immer in der Hinterhand, an den ich fest glaube:

    „Wer weiß schon, wofür es gut war?“ … Ich glaube es war „gut“ (also gut im Sinne von doof-gut) das Du Dir eben jetzt die Trailrun-Challenge ausgesucht hast. Ich drücke alle Daumen, dass Wetter und Form passen und Du viel Spaß hast.

  2. Wow – toll geschrieben. Den Supertrail wirst du nächstes Jahr finishen und dem Alpspitz eins auf die Nase geben.
    Ich habe über dein DNF ein wenig nachgedacht. Vielleicht hast du auch zuviel trainiert? Ich halte die Trainingspläne von Tanja Kordys auf der ZUT-Website für überzogen. Im Vergleich zu den Plänen von Beck sind die Umfänge aberwitzig. Da ist man kaputt, bevor das Rennen beginnt. Ich denke, dass weniger auch mehr sein kann. Wir haben schließlich alle hauptsächlich das Ziel, gut und mit Spaß durchs Rennen zu kommen.

    1. Danke dir 🙂
      Ich war die Woche vorher leicht erkältungstechnisch angeschlagen. Das gab in Kombi mit dem Wetter und ohne Stöcke einfach das Ergebnis. Dazu nur ein Becher Iso.mKonnte nicht gut gehen.
      Der Plan war hart, lies sich aber eigentlich gut durchziehen.
      100% kann man nicht sagen woran es lag.
      Fakt ist, die Rechnung wird beglichen und ich freue mich sehr drauf.

  3. Ach Katrin…kommt Zeit..kommt ZUT..oder so! Wichtig ist doch erstmal uns alle kennengelernt zu haben! STIMMT´S ;o))) Du rockst das Ding…da bin ich mir sicher…!!

  4. Ich bin mir sicher, dass du deine weiteren Ziele erreichen wirst. Ein Scheitern wird dazu führen dass du den nächsten Sieg einfach noch besser geniessen kannst, weil du zurückgekommen bist und dich nicht unterkriegen hast lassen

  5. Bestimmt wärst Du auch ins Ziel gekommen. Irgendwie. Ohne Spaß. Und wärst anschließend wahrscheinlich zwei Wochen krank gewesen und hättest an Deinen Karwendelmarsch-Plänen gezweifelt. Und für Juni 2016 hättest Du geplant, Dich möglichst weit weg von Grainau aufzuhalten. So eine Entscheidung trifft man zwar spontan, aber sie hat langfristige Auswirkungen. Ich denke, Deine Entscheidung war richtig. Und, wie Du Motivation aus dem DNF ziehst, finde ich bemerkenswert.

    … die Trainingspläne auf der Website fand ich auch seltsam und habe mich dann lieber planlos vorbereitet. 🙂

  6. Aufgestanden bist du schon. Das Krönchen hast du auch gerichtet. Und den Ehrgeiz hast du auch (wieder). Wenn ich es jemanden zu traue, dann doch wohl dir. Mehr als einmal kann man dich wohl nicht schlagen 😉

    Das wird gut am/im Karwendel! Ich zumindest glaub an dich!

  7. Nur Idioten und Nicht-Läufer und Noch-Nicht-erlebt-Habende lachen über ein DNF. Du fühlst Dich umso toller, wenn Du im nächsten Anlauf diesen ZUT schaffst 🙂 Und das wirst Du, das wissen wir ganz sicher. Und vor allem bei schönem Sonnenwetter, im Laufröckchen….

  8. Katrin, Du bist niemandem eine Erklärung schuldig. Sollen doch alle dies einmal selbst versuchen. Solange Du mit dir im Reinen bist (was sicherlich schwierig war, weil Du selbst sehr viel von Dir erwartet hattest) ist alles ok. Hört sich schwer an, ist aber so. Du möchtest Du sein und nicht jemand anderen, denn die anderen gibt es schon.

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