Ironman Frankfurt 2015


Keine Sorge, nicht als Teilnehmer. Aber am Streckenrand. Als Groupie.
Ein schlechter Groupie, wie ich ehrlich zugeben muss.
Aber dazu später mehr.

Die letzten Wochen, nein, das komplette letzte Jahr habe ich ausschliesslich auf heimischen Trails und alpinem Gelände verbracht.
Trail, neben Triathlon, oder nur Trail. Hm. Wie es schien hatte ich meine Seele dem Trailgott verschrieben. Den Blog ziert ein neuer Name: Katrin goes Trialathlon.
Fast hätte ich darüber nachgedacht, ob es Sinn macht mein geliebtes Zeitfahrrad zu verkaufen.

photo

Und dann war es heute soweit: Ironman Frankfurt.
Pflichttermin.
Ja, kann man sich mal anschauen, dachte ich mir. Hingehen-gucken-heimgehen.

Als wir auf dem Weg zum Langener Waldsee waren, spielten sich in mir plötzlich komische Szenarien ab.
Ich musste nicht mal was tun, nur zuschauen. Und dennoch meldete sich mein Magen und erinnerte mich an den 03.08.2014, als ich meinen ersten Triathlon über die Bühne brachte.
Während sich damals die ersten Athleten durchs Wasser prügelten, saß ich am Strand und wusste nicht wohin mit mir.
Kämpfte mit Übelkeit und mit Tränen.
Mir war elend wie nie zuvor. Man sah mir das auch an.
Angst

Je näher wir also heute dem Waldsee kamen, desto mehr fühlte ich mich wie damals.
Obwohl ich außer zuschauen nichts tun musste.
Der Triathlonvirus hat mich wohl einfach wieder infiziert.
Wohl doch nichts ausgestanden, wohl doch kein Grund darüber nachzudenken, ob das mein geliebtes Zeitfahrrad Sinn macht.

Dann ging es auch schon los.
Schwimmstart der Profi-Herren und Damen. Danach die schnellen Agegrouper.
10 Minuten später gingen alle anderen Agegrouper in ihr Rennen.
Ein Bild, welches sich nicht in Worte fassen lässt. Man muss das selbst gesehen und erlebt haben.

Schon nach 46 Minuten kam der führende Mann aus dem Wasser. Jan Frodeno. Frodo. Daumen drücken war angesagt.
Er hatte es im vergangenen Jahr schon einmal versucht und war beim Marathon gescheitert und hatte sich den Sieg nicht holen sollen.
Letztes Jahr hatte ich gesagt, dass es für ihn noch ein Jahr zu früh ist, aber es 2015 klappen würde.
Ich hoffte also von Beginn an, dass ich Recht behalte.
Und man erwähne an dieser Stelle: Für meine 1,5 km habe ich damals um die 41 Minuten gebraucht.
Diese Typen schwimmen mehr als doppelt so weit. Ich habe keine Ahnung, wie man so schnell sein kann.
Das gilt allerdings auch für die anderen Disziplinen.

Schliesslich haben wir noch die letzte Schwimmerin in Empfang genommen, als der erste kurze Landgang nach 1,7 Kilometern anstand.
01:11:00 zeigte die Uhr an.
Das zweite Teilstück ist mit 2,2km noch einmal länger, was für die Cut off Zeit nichts Gutes ahnen lies.
Keiner hat sie das merken lassen, man hat sie beklatscht und bejubelt. Wäre ich an ihrer Stelle geschwommen, hätte mir das vielleicht noch einmal Flügel verliehen.
Ob sie es geschafft hat oder nicht, weiß ich gar nicht.

Von der Radstrecke bekamen wir nicht allzu viel mit.
An der ein oder anderen Stelle haben wir da mal kurz reingeschaut. Die Sonne hatte ein wenig erbarmen und hat sich ab und an ein wenig hinter den Wolken versteckt.
Es war wirklich bestialisch warm und in der Sonne kaum auszuhalten.
Da jetzt 5/6/7 Stunden auf dem Bock zu hocken, ist schon hart.
Glücklicherweise hatten wir das Timing heute gut erwischt und bekamen mit, wie der Führende vom Rad stieg.
Rad

Es war Jan Frodeno. Schön zu sehen. Nur noch laufen, nur noch Marathon und das in Gluthitze.
Ich war am Freitag laufen, bei 36 Grad. Im Schatten und im Wald, vorangig.
Nach einer halben Stunde hat mein Körper gesagt: Leck mich. Wir laufen nirgends hin.
Was die Jungs und Mädels da abreißen ist nicht zu fassen.
Frodeno hat gewonnen. Verdient. Wer bei 40 Grad eine solche Leistung vollbringt, der muss gewinnen.
Streckenrekord. 07:49:48
Wer auch nur im Ansatz ein Gefühl für Entfernung und Geschwindigkeit hat, der weiß was das heißt.

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Wir hatten es uns an der Verpflegungsstelle der Guilty76 Jungs gemütlich gemacht. Unter einer Brücke im Schatten.
So lies es sich aushalten.
Mit uns noch zahlreiche andere Triathlonverrückte und nicht Verrückte.
Zeiten und Runden gezählt und bewundernd da gestanden.
Mein persönliches Highlight war eine ältere Dame, die fragte, ob der Notarzt schon mit dem Rad hinter dem Mann (in dem Fall Kienle, der an 2. Stelle lag) herfährt.

Und jetzt kommen wir zu der Groupie Sache.
All die Menschen standen da und brüllten die Athleten durch die Hitze. Sie brüllten, pfiffen, jubelten und brüllten wieder.
Und dann gabs da mich.
Ich klatsche, wenns gut läuft. Sonst grinse ich nett. In der Hoffnung, dass man das sieht bzw. bemerkt.
Brüllen, anfeuern, liegt mir nicht. Ich bin ein schlechter Groupie.
Man kann nicht erwarten, dass ich jemanden anbrülle, wenn er nicht mehr weiter möchte. Nein.
An der Hand nehmen würde ich ihn vielleicht und ins Ziel schleifen, wenn ausgemacht war, dass ich seelisch und moralisch unterstützen soll.
Nebenherlaufen (ja ich weiss, ist verboten) könnte ich auch. Aber ich kann nicht brüllen, jubeln und schon gar nicht kann ich Namen rufen.
Warum weiß ich gar nicht so genau.
Es funktioniert einfach nicht.

André hat (so glaube ich) einen kurzen Moment darüber nachgedacht, ob er sich nicht für 2016 anmelden soll.
Wenn er das tut, brauch ich eure Hilfe und jemanden der für mich brüllt und jubelt.
Ich zähl auf euch, wenns soweit ist.

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10 Antworten zu “Ironman Frankfurt 2015

  1. Was für ein Tag und schon allein die Aufregung dort zuzuschauen, kann ich absolut nachvollziehen. Das ist in der Tat Triathlon! Ich stand zuweilen in der Küche und löffelte meinen Salat vor dem Stream. Dann wieder gebannt auf dem Sofa hockend, wie das wohl ausgehen mag. Unmenschlich, was dort geleistet wurde und herrlich, Frodeno und Kienle recht ausgelassen im Interview danach zu lauschen.

    Ich bin auch ein sehr schlechter Vor-Ort-Groupie. Aber aus der Ferne helfe ich natürlich zu schreien, zu brüllen, zu applaudieren!

  2. Ich hatte kurz drüber nachgedacht?
    Das mag schon sein! Nein, das war so!
    Da das aber bedeuten würde, dass ich mich morgen schon anmelden müsste, ist der Gedanke (in dieser Form) schon wieder verworfen!
    Du kannst Dich also wieder entspannen! 😉

    Ob nach dem Laufjahr das nächsten Jahr nicht aber grundsätzlich doch wieder ein Triathlonjahr (auf kürzeren Distanzen) werden könnte, steht auf einem ganz anderen Blatt! 😅

  3. ironman zuschauen ist für mich immer wieder ein Erlebnis! Ich war bis jetzt 1x in kona und 2x in klagenfurt. Groupie sein ist auch so harte arbeit, wie ein wettkampf 😉 fast. Immerhin darf man sich als groupie schrei-pausen gönnen!

  4. Manchmal hilft auch ein Lächeln ungemein! 🙂

  5. Ja, es war wieder ein einmaliges Erlebnis! Habe es auch wieder live miterlebt und zwar in Bad-Vilbel an der Radstrecke. Wie die Jungs und Mädels da den Berg hochdüsen – einfach der pure Wahnsinn! Man kann gar nicht anders, als sie anzufeuern. Hinterher haben mir die Hände wahrscheinlich mehr weh getan als denen der Hintern :-). Und man bekommt riesige Lust, so etwas mitzumachen. Aber halt, nur nicht überschätzen! Vielleicht schaffe ich nächstes Jahr mal einen kleinen Triathlon – da wäre ich schon sehr glücklich.

  6. Das ist echt der Hammer, was da ging, vor allem bei de Hitze! Und dann noch Streckenrekord. Wie geht das?
    Zum Thema Groupie: Mach Dir doch ein nettes Schild. Dann musst Du nicht brüllen. 😉 Und „noch x km bis zum Bier“ hilft immer. 😀

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