Das ist alles nur in deinem Kopf


Das ist alles nur in meinem Kopf, alles nur in meinem Kopf.
Singt Andreas Bourani immer so vor sich hin.
In seinem Kopf ist alles möglich. Also in dem von Andreas Bourani.

In meinem Kopf ist auch alles möglich. Immer. Solange bis es soweit ist und ich in einem Wettkampf unterwegs bin.
Da male ich Bilder in den schönsten Formen und Farben.
Manchmal sind die sogar ein bisschen Größenwahnsinnig.
Da renne ich sogar einen ganzen Wettkampf lang vorneweg und als Erste über die Ziellinie.
Phahahahahaha.
Das muss man sich mal vorstellen. Als Erste. Ich. Ist klar.
Als Letzte vielleicht. Das liegt schon im Bereich des Möglichen.

Du musst dich quälen können. Sagt man mir immer.
Das ist reine Kopfsache.
Mein Kopf-mein Endgegner.
Dessen bin ich mir wohl bewusst. Und es macht das Ganze nicht leichter. So viel kann ich euch verraten.
Wir sind immer unterschiedlicher Meinung, der Sturschädel und ich.

Wenn es die wunderschönen Trails nach oben geht zum Beispiel.
Ich möchte da gern Gazellenlike nach oben spurten.
Mein Kopf möchte das nicht. Wenn ich euch einen kleinen Einblick in den Dialog geben darf…

Kopf: „Warte mal, warte mal, warte mal. Fragt mich hier schon wieder niemand?
Das ist anstrengend. Das merkste doch selber, oder? So doof kannste doch nicht sein.
Gibt hier überhaupt keinen Grund für das Rumgerenne.
Gehste mal lieber, is weniger anstrengend und du kommst trotzdem an.
Scheisse hier.“

Ich: „Ja..aber, aber, aber…wir wollen das.“

Kopf: „Wir???? Merkste noch wat?“

Ich: „Öh..“

Kopf: „Ich will hier gar nix. Ich will auf die Couch. Und ein Eis, oder nen Kuchen. Obwohl…ne Fante wär auch gut.“

Ich: „Wir wollen das, weil das Spass macht und weil wir später stolz sind und so.“

Kopf: „(schallendes Gelächter aus dem Off-Anm. d. Red.)..wie war das jetzt mit dem Kuchen? Ach übrigens, ist dir aufgefallen? Nix Gazelle, nix Laufen…wir gehen gerade diesen Berg nach oben. Wieso schnaufst’n eigentlich so.?“

……

Man muss sich quälen können.
Den Kopf zu überzeugen gehört nicht zu meinen Stärken.
Wenn man einen Ultramarathon laufen möchte, ist das jetzt nicht wirklich eine gute Ausgangslage.
Vermutlich muss man sich quälen können, wenn man sowas macht. Wenn’s nicht mehr geht, einfach immer noch einen Schritt weiter.
36 Laufkilometer im Monat August sind jetzt auch keine gute Voraussetzung.
Aber dank der Tortour mit den Zähnen war nicht mehr drin.

Das wäre die Stelle, an der die Sache mit der Vernunft ins Spiel kommen müsste.
Ver…was?
Vernunft. Solls geben. Hab ich gehört. Aber mal ehrlich. Wer braucht das schon.
Wenn wir immer nur das tun würden, was vernünftig wäre….was würden wir dann unseren Enkeln erzählen??

Vernunft

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Veröffentlicht in Test

20 Gedanken zu “Das ist alles nur in deinem Kopf

  1. Das ist jetzt der Moment wo ich dir raten sollte es nicht zu tun, oder? Wäre vernünftig es zu lassen? 😉 Aber hey, du warst fleißig das letzte halbe Jahr. Also mach so lange es geht. Machs langsam und genieß es. So lange es geht. Dann quäl dich noch ein bisschen, und dann schau was passiert! Zur Not gibts derdiedas Karwendel auch nächstes Jahr noch 🙂 Ich drück dir alle Daumen!!!

  2. Jaja der liebe Kopf…kenne ich nur zu gut. Meistens knippse ich ihn irgendwie aus oder lasse es so anstrengend werden, dass er keine Zeit hat mir irgendwas zu flüstern. Aber dahin muss man eben erstmal kommen. Ich stecke jetzt seit mindestens drei Wochen in einem Tief und bin sogar im Niveau etwas abgesackt. Habe trotzdem das Gefühl ich leiste zu wenig. Bin gerade dabei Faktoren zu finden, die mir dieses Glück bescheren.. Dazu die Angst vor dem Schmerz. Obwohl der eigentlich schon fast nicht mehr anwesend ist. Dann diese Müdigkeit von morgens bis abends >.< Und auch ich erwische mich in letzter Zeit immer wieder dabei mich wirklich am Berg zu fragen (sogar mit Bike): wieso machst du das. Und wieso immer an den Grenzen, langsamer gehts schließlich auch. Aber wenn man dann plötzlich nicht mehr mit den anderen mithalten kann, ist das auch zermürbend. Und so schleichen sich kleine Dinge ein, die es dann doch sehr mühsam machen. Vielleicht brauche ich mal eine etwas regenerativere Phase bis ich wieder aus dem Quark komme. Zumindest ist das mein Wunschdenken. Du bist auf jeden Fall nicht alleine. Und mutig obendrein, alles dennoch durchzuziehen. Ich laufe z.B. erst gar keine Wettkämpfe, wenn ich mir nicht sicher sein kann im Bereich meiner Bestzeiten zu laufen.. 😐

      1. Teilweise mit Sicherheit – aber das hat eher mit der Durststrecke zu tun, die ich gerade durchmache. Gestern Abend war zum Beispiel wieder super, aber ich habe Angst das zu beschreien, aus Angst wieder auf die Nase zu fallen. Ich hatte jetzt ein halbes Jahr nur Schmerzen und das trübt natürlich die Stimmung, nicht zuletzt deshalb, weil man nur noch vorsichtige DLs abspulen kann bzw konnte und eben keine Wettkämpfe die beflügeln würden. Dahin will und muss ich wieder kommen, dann passt der Rest auch wieder 😉

  3. Jetzt mal ganz ehrlich, überleg dir das mit dem Karwendelmarsch noch mal.
    Eine Faustregel sagt, man kann in einem Lauf soviel laufen, wie man im Schnitt an Wochenkilometen läuft. Wenn deine Trainingseinheiten auf Strava aktuell sind, dann hast du in diesem Jahr einen Wochenschnitt von knapp 20 km. Das ist eindeutig zu wenig um sich an die Startlinie eines Ultras zu stellen. Noch dazu, wenn man sowas noch nie gemacht hat und wenn noch einige Höhenmeter dazu kommen. Es geht hier durchs Gebirge, du kannst nicht an jedem beliebigen Punkt aufhören und abgeholt werden. Was du machst ist gefährlich und fahrlässig, das ist meine Meinung.
    Ich will sicher kein Spielverderber sein. Aber wenn’s in den Bergen hart auf hart geht gefährdet man nicht nur sich sondern noch dazu andere.
    Denk bitte bitte eingehend darüber nach ob du starten willst. Ich würde es dir nicht raten.
    Liebe Grüße
    Pingu

    1. Lieber Herr Pingu,
      vielen Dank für deinen Rat. Von jemandem wie dir, weiß ich das sehr zu schätzen. Wirklich.
      Eines kannst du mir glauben, ich habe in Anbetracht der Umstände sehr, sehr lange darüber nachgedacht und mich mit dem Wettkampf beschäftigt. Es gibt die Möglichkeit nach 35 Kilometern an der Eng auszusteigen, wenn gar nichts mehr geht. Und es ist nicht der erste Trail den ich mache, wie du sicher weißt 😉
      Aktivitäten auf Strava sind für mich nicht ausschlaggebend. Ich verlasse mich gern auf mein Bauchgefühl.
      Wir werden sehen, was passiert.
      Danke dir und liebe Grüße

  4. Tja, alte Weisheit – der Kopf entscheidet. Aber mit Emotionen kann man in positiv „überlisten“. Wenn Dein Gefühl am Start gut ist, dann marschier los 🙂 Wenn´s aber da schon „wäh“ ist, wird´s schwer, bis zur Eng durchzuhalten. Der Ausstieg dort ist übrigens recht reizvoll: der Kaiserschmarrn im Gasthof ist superlecker 😉 Wir drücken Dir aber die Daumen, dass Du erst den in Pertisau essen kannst 🙂

  5. Wie war das nochmal mit der Hummel:
    Die Hummel hat eine Flügelfläche von 0,7 Quadratzentimeter, bei 1,2 Gramm Gewicht. Nach den bekannten Gesetzen der Flugtechnik ist es unmöglich, bei diesem Verhältnis zu fliegen.
    Die Hummel weiß das nicht, sie fliegt einfach.

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