Ein Blick zurück


Herbst
Irgendwie ist es passiert.
Es ist Herbst.
Für mich irgendwie sehr plötzlich, denn gefühlt bin ich einfach zu wenig in kurz/kurz über den Altkönig auf den Feldberg gerannt.
Gefühlt hat mir die Sonne zu wenig auf den Pelz gebrannt.
Was wahrscheinlich vorrangig an meinem subjektiven Eindruck liegt.
So ist es ja immer.
Was man nicht hat, fehlt einem besonders.

Dennoch hat sich in diesem Jahr der Fluch der Regenrennen gelegt.
Bei all meinen Läufen regnete es. Bis zum Karwendelmarsch.
Ich muss zugeben, ich bin immer noch sehr verzückt, wenn ich daran denke.
Die Augen leuchten und das Herz macht einen kleinen Satz vor Freude.

Nun wartet im Oktober noch ein Halbmarathon auf mich.
Der Nürnberger Stadtlauf. Asphalt. Stadt. Halbmarathon.
Und jetzt muss ich an dieser Stelle etwas zugeben: Es reizt mich überhaupt nicht. 21km sind relativ kurz (und das aus meinem Mund), im Oktober ist es schon kühl, wir laufen auf Asphalt. Die Euphorie hält sich momentan in Grenzen.
Ich hatte mich angemeldet, während ich mit schmerzendem Kiefer und ohne Weisheitszähne auf der Couch lag und noch sicher war, ob ich das Karwendel überhaupt sehe.
Wir erinnern uns: Was man nicht hat, fehlt einem besonders.
Ich konnte nicht laufen, da war dieser Lauf und schneller als ich schauen konnte, stand mein Name auf der Startliste.

Wahrscheinlich aber eine ganz gute Option um nicht in das berüchtigte Loch zu fallen, in das man als Sportler nach Extremsituationen gern fällt.
Das große Ziel ist erfolgreich abgehakt, man weiß nicht mehr wohin mit sich, ist überfordert mit allem.
Irgendwie kennt das jeder von uns. Und das kann böse enden, wenn man nicht aufpasst.

Es ist Herbst und meine Saison 2015 fast vorbei.
Die lehrreichste Saison die ich bislang wohl hatte.
Himmeljoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Beginnend mit dem Rennsteiglauf im Mai. Ich war fahrig und nervös.
Der erste Halbmarathon zu Hause. Mit tatsächlichen Höhenmetern.
Ich erinnere mich, dass es war, wie auf der Autobahn. Stop and Go bis zur Hälfte des Laufs.
Und bin freudig mit den Ladies von Run Munich Run im Ziel eingetrudelt.
Mit neuer Bestzeit. Trotz Höhenmetern.

Ich hatte Oberwasser.
Keine gute Sache bei einem Ego, das schon sehr ausgeprägt ist.
Der Basetrail im Rahmen des Zugspitz Ultratrails rief im Juni.
Ich hatte keinerlei Zweifel, dass ich es ins Ziel schaffen würde.
Mit meinem Oberwasser verlor ich schleichend den Respekt.
Ohne das es mir aufgefallen wäre.
Habe laut getönt „Nicht ins Ziel kommen ist keine Option. Man muss mich schon von der Strecke tragen damit ich aufgebe“
Ich erinnere mich sehr gut an den Kampf mit meinem Kopf, mit meinem Herzen, als ich bei Kilometer 17 keine andere Möglichkeit mehr sah, als aus dem Rennen auszusteigen.
Wie ich meine Fassung zu verlieren drohte, als die Bestätigung meines Ausstiegs telefonisch an die Rennleitung durchgeben wurde.
An die 4 Stunden, die ich völlig in Tränen aufgelöst im Hotelzimmer verbrachte, bis ich neuen Mut gefasst hatte.

Mut um einen Monat später im Juli am Start des Zugspitz Halbmarathon in Ehrwald zu stehen.
Mit einer großen Portion Respekt und einer noch größeren Portion Angst.
Erst als ich über die Häfte geschafft hatte und mich auf der Skipiste nach oben schleichend wiederfand, war ich mir sicher, dass ich es diesmal schaffen kann.
Das Zielbild sagt genug.

Ziel

Und dann kam der Karwendelmarsch. Wie der war, wisst ihr ja.
Ich glaube, ich habe zu genüge erzählt und geschwärmt.
Das Karwendel hat mir viel abverlangt, aber viel merh zurückgegeben.
Ich habe viele Lektionen gelernt. Wichtige Lektionen.
Für die ich im Nachhinein wirklich dankbar bin.

Mein Spendenprojekt ist fast abgeschlossen. Von einem Jahr sind nur noch 4 Monate übrig geblieben.
Ich hätte nie für möglich gehalten, dass das passiert ist, was passiert ist und 4 Monate vor Ende fast 2200 Euro zusammengekommen sind.
Geld für ein Projekt, von dem ich bis in die Haarspitzen überzeugt bin.
Ich bin glücklich und stolz, derartige Unterstützung zu bekommen.

Einen elementaren Teil hat mein Arbeitgeber dazu beigetragen.
Statt eines Geschenks zum 30. Geburtstag, sammelten die Kollegen und der Betrag landete auf dem Spendenkonto.
Und es gab ein weiteres Geschenk, mit dem ich niemals gerechnet hätte und das mich nach wie vor sprachlos macht.
Sie haben es Spendenmatching getauft.
4 Tage nach dem Karwendelmarsch hat sich das ganze Team auf den Weg zum Weinmarkt auf der Frankfurter Fressgass gemacht.
Die Kosten für Essen und Trinken wurden addiert und landeten ebenfalls noch einmal auf meinem Spendenkonto.
Sagenhafte 400 Euro kamen an diesem Abend zusammen. Mal abgesehen von einem schönen Abend.
Eins kann ich euch sagen, man ist ein wenig sprachlos.
Und angemessene Worte des Danks habe ich noch immer nicht gefunden.

Momentan beschäftigt mich der Gedanke, das Projekt 2016 weiterlaufen zu lassen.
Warum auch nicht? Denn 2016 wird ziemlich großartig. Das hoffe ich jedenfalls.

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10 Gedanken zu “Ein Blick zurück

  1. Das ist doch ein schöner Abschluß der Saison, so ein Halbmarathon. Und Nürnberg ist ja jetzt nicht gerade häßlich, oder? 😉 Gibt es dort eigentlich die berühmten Lebkuchen als Verpflegung? Und wenn nicht – dann nach dem Lauf einen und nen leckeren Kaffee dazu – lecker!

    Dein 2016 wird ganz bestimmt großartig. Das Schöne am Langstreckenlaufen ist – egal ob auf Trails oder Asphalt – man lernt nie aus. Kein Ultra ist wie der andere und man steht immer wieder vor anderen Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Ebenso die „Rückschläge“, die uns aber, wenn wir sie überwunden haben, stark machen.

    Ach – als Trailrunner beginnt übrigens die Saison am 01.01 und endet am 31.12. 😀

    Viel Spaß wünsche ich Dir noch!

    LG

  2. Sehr tolle poetische Zusammenfassung eines abwechslungsreichen Jahres! Aus den Niederlagen lernt man wie man bei dir sieht und irgendwie hat immer alles ein gutes Ende. Das lässt hoffen 🙂

  3. Das ist aber ein sehr früher Jahresrückblick – ups and downs,genau wie bei Trailruns. Und die Saison ist mitnichten zu Ende – schau Dir das Trailrunning Festival in Salzburg an: schöne Strecken verschiedener Längen, sehr herausfordernd, nicht nur Asphalt, auch Parkwege und querbeet, tolle Ausblicke …

  4. Da war ja einiges für dich los in diesem Jahr. Eine schöne Zusammenfassung. Auf jeden Fall viel Erfolg in Nürnberg. Egal wie es läuft, du hattest ein aufregendes Jahr, dass du ja damit vielleicht ganz locker und schön abschließen kannst. Also viel Spaß.

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