Jahresrücklick 2015- Vom Leiden und Lachen


2015 ist nun das zweite Wettkampfjahr für mich und somit das zweite Jahr in dem sich ein Jahresrückblick lohnt.
2015 war das erste Jahr, durch das ich Verletzungsfrei gekommen bin.
Das ist bei den Umfängen die wir trainiert haben nicht selbstverständlich.
Und doch war es das Jahr mit den meisten Emotionen, den meisten Hochs und Tiefs.

Aber fangen wir von Vorne an.

Alles begann mir dem Rennsteiglauf im Mai und der Vorbereitung darauf.
Der 2. Halbmarathon meiner Karriere als Läuferin. 21km haben mir bis dato irgendwie noch Angst eingeflößt.
Aber ich war schon zum Karwendelmarsch gemeldet und mir war bewusst, dass ich in ein paar Monaten mehr als das Doppelte laufen musste.
Die Suppe hatte ich mir selbst eingebrockt, also blieb mir nichts, als sie auch alleine auszulöffeln.
Der erste Schritt dazu war der Rennsteiglauf.
Die Vorbereitung lief reibungslos. Oft in der Heimat. Oft in Richtung Feldberg im Taunus.

Dann war es soweit. Auf in Richtung Oberhof, auf in Richtung Start. Dann ging es auch schon los.
Im Gänsemarsch durch Oberhof, rein in den Wald. Ein bisschen wie auf der Autobahn mit Stop & Go.
So ging es Kilometer um Kilometer durch den Thüringer Wald. Bis zum schönsten Ziel der Welt in Schmiedefeld.
In persönlicher Bestzeit. Im Ziel von den Eltern in Empfang genommen, war es alles in allem auch ziemlich schnell vorbei.
Und weils so schön war und damit es nicht so schnell vorbei ist, fangen wir im Mai 2016 die Sasion mit dem Rennsteiglauf-Marathon an.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Rennsteiglauf war super und mit entsprechendem Oberwasser startete ich in den Juni.
Mit dem Zugspitz Ultratrail wartete eines der Saisonhighlights.
Wir hatten uns für den Basetrail XL entschieden.
36 Kilometer mit reichlich Höhenmetern und keinerlei Zweifel, dass ich es schaffen könnte.
Das Vorstartprozedere war einzigartig, zusammen mit vielen genauso einzigartigen Menschen.
Ich war kaum aufgeregt und hatte nur bedingt Respekt.
Das sich das rächen würe, war mir noch nicht bewusst.
Am 20.06. ging es per Bus in Richtung Start in Mittenwald. Aufgeregt war ich noch immer kaum.
Wir hatten den 3. Tag Dauerregen, aber auch von einstelligen Temperaturen im Tal ließen wir uns nicht aus der Ruhe bringen.
Bereits 30 Minuten nach dem Start war ich durchnässt und mir dämmerte, dass es nicht mein Tag werden würde.
An der ersten Verpflegungsstelle bekam ich genau einen kleinen Becher Iso hinunter, bevor mir mein Magen klar machte, dass wir das besser sein lassen werden.
Ich fiel immer weiter zurück und verlor immer weiter an Kraft.
Ab Kilometer 12 schleppte ich mich eben so vorwärts und versuchte nicht vollends auszukühlen.
Bei Kilometer 17 war klar, dass ich dieses Rennen nicht ins Ziel bringen werde.
5 Kilometer hatte ich mich mit dem Gedanken versucht anzufreunden. Vergeblich.
Wäre es nicht so kalt und nass gewesen, häte ich mich vielleicht einfach 30 Minuten auf den Weg gelegt und geschmollt, geweint, getobt.
Es gab wenig schlimmere Momente, als den des Aussteigens. Meine Gedanken und Gefühle der 2 Stunden, die es dauerte um vom Shuttle Punkt wieder ins Hotel zu kommen, lassen sich nicht in Worte fassen.
Ich war so sicher, dass ich dieses Rennen beenden würde. So sicher. Und dann das.
Auf dem kurzen Fußweg rief ich zu Hause an. Schon verrückt, wenn man nicht weiß wohin mit sich und der Welt, sucht man automatisch den Schutz des Nests.
Mehr als ein Schluchzen brachte ich nicht raus.
4 Stunden und mindestens 5 Liter Tränen hat es gedauert, bis ich mich gefangen und neuen Mut geschöpft hatte.
Und eins kann ich euch sagen, es waren 4 hoffnungs- und trostlose Stunden.
Wirklich.
Wie laut hatte ich vorher getrommelt und nun blieb mir nichts als zuzugeben, dass ich versagt hatte.
Am Ende dieser 4 Stunden hatte ich eine Anmeldung für einen Halbmarathon an der Zugspitze.
Eine 2. Chance an dem Berg, der mich vor kurzem noch durchgekaut und ausgespuckt hatte.

Wie es in 2016 hier läuft, werden wir sehen. Denn auch hier werde ich wieder an den Start gehen.
Diesmal auf der Supertrail Strecke.
Mit 60 Kilomtern.
Wieder mit der kompletten ZUT-Familie.
Denn die haben sich in mein Herzchen geschlichen und haben mich ein großartiges Wochenende erleben lassen.
Und zusätzlich zur Zut Familie macht sich noch eine Portion Demut mit mir auf den Weg. Denn das hat mich die Geschichte gelehrt.
Man darf sich nie zu sicher sein, der Berg gehört nicht dir, du gehörst dem Berg, er duldet dich, oder spuckt dich aus.

So folgte im Juni die Zugspitz Trailrun Challenge und für mich die erneute Chance, den Berg davon zu überzeugen, mich diesmal ins Ziel laufen zu lassen.
Mir ging es selten so schlecht vor einem Rennen.
Im letzten Jahr am Ufer des Langener Waldsees vielleicht. Als ich vor Aufregung am liebsten davongelaufen wäre, statt dort 1,5km durch den See zu plantschen, bevor ich mich aufs Rad werfe.
Wie ich da so stand, in diesem Startbereich, wäre ich am liebsten einfach umgefallen.
Einfach so.
Da machen es tatsächlich Begegenungen mit bekannten Gesichtern leichter. Irgendwie ist es wie immer.
Es sind doch immer die Gleichen am Start und das ist doch irgendwie schön.
Der Startschuss fiel. André war mein Zugpferd. Wir hatten verabredet beieinader zu bleiben. Sonst laufen wir meist getrennt, damit jeder sein Tempo finden kann.
Bei diesem Rennen habe ich ungefähr bis Kilometer 15 gezweifelt, dass ich es tatsächlich schaffe.
Ich habe mich Skipisten nach oben geschraubt. Meter um Meter. Und wieder nach unten.
Was ich euch verraten kann, es gibt eine Menge angenehmere Dinge, als eine Skipiste hinunter zu rennen.
Die Medaille ist definitiv die Wichtigste des Jahres. Denn ich habe meinen Kopf besiegt.
Ob es hier 2016 ein Wiedersehen gibt, steht noch nicht fest.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Im August ging die Reise weiter zur größten Herausforderung.
Der Karwendelmarsch. Die erste Ultradistanz.
Die Nervosität hielt sich in Grenzen.
Ich hatte mit Rebekka ja die beste Begleitung an meiner Seite.
Wir liefen und gingen und standen, machten Fotos, quatschten, fluchten, genoßen die Ausblicke.
Schöner können 52 Kilometer nicht sein.
Ich zog sie bergauf, sie mich bergab.
Das Herz zersprang fast vor Glück.
Wir wollten ankommen, die Zeit war zweitrangig. Und das würden wir tun. Soviel stand fest.
Einen Fuß vor den anderen, einfach immer weiter gehen. So war der Plan. So sollte es gehen.
Die Sonne brannte auf uns herab. Es war warm, es war anstrengend und ja, es tat weh.
Aber wie Goethe schon sagte: „Es wechselt Pein und Lust. Genieße, wenn du kannst, und leide, wenn du musst.“
Ich genoß eine Menge, den letzten Anstieg zum Beispiel. Vor dem alle gewarnt haben. Die Serpentienen, die sich fast senkrecht nach oben geschraubt haben.
Die waren anstrengend, sehr anstregend. Vor allem, weil sie erst bei Kilometer 38 gelauert haben. Aber sie waren mein Lieblingsstück der Strecke, auch wenn sie weh taten.
Ich litt auf den letzten 8 Kilometern. Die wollten nicht zu Ende gehen.
Das Ziel wollte nicht näher rücken. Die letzten Kilometer schienen unendlich.
Aber auch die haben wir gemeistert. Gemeinsam. Und so kam dieser Zielbogen doch irgendwann.
Es war das schönste Rennen bislang und das Erste an dem im Ziel tatsächlich ein Tränchen floß, während Rebkka zufrieden im Gras saß.
Gleichzeitig war es auch das erste Rennen, dass wirklich merklich etwas in mir verrückt hat.
Eine Ultradistanz verändert dich. Du lernst eine Menge, vor allem über dich selbst. Du verschiebst deine Grenzen.
Du lernst Geduld, du lernst dich zu besiegen und du lernst die Ultradistanz zu lieben.
Ich jedenfalls.

Auch der Rest des Jahres war mehr als sportlich.
Es hat sich eine Menge getan.
Von traumhaften Trainingsläufen, über Rennradausfahrten und Freeletics bis hin zur Planung und Umsetzung unserer ersten eigenen Laufveranstaltung.
Ich habe in diesem Jahr so viel gearbeitet, wie in keinem zuvor.
Dieses Jahr war so anstrengend wie keines zuvor. Es hat viel Kraft gekostet, ich habe viel gelitten, ab und an geweint, aber noch mehr habe ich gelacht und habe Momente genossen, tolle Menschen kennengelernt und alles zusammen hat es das Leben in diesem Jahr mehr als lebenswert gemacht.
Es folgen also noch ein paar Impressionen vom Rest des Jahres und dann seid ihr mich quasi schon los für dieses Jahr.
Aber wir wissen ja: Heute ist nicht alletage. Ich komm wieder, keine Frage.
In diesem Sinne: Wir lesen uns 2016 und da habe ich hoffentlich wieder ein paar Geschichten für euch.
Schöne und bestimmt auch wieder weniger Schöne.
Ich freue mich auf jede Einzelne.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements

14 Antworten zu “Jahresrücklick 2015- Vom Leiden und Lachen

  1. Super Bilder vom Karwendelmarsch, Danke 🙂
    Und dass es erst Dein zweites Wettkampfjahr war, hätte ich nie gedacht … Anerkennung, la ola!
    Auf ein noch besseres drittes Wettkampfjahr.

  2. Glückwunsch zu dem tollen Jahr mit vielen Hochs und Tiefs. Ich drücke dir die Daumen, dass du die Zugspitze 2016 besiegst.

  3. Sehr schön Revue passieren lassen! Ich sehe dich noch in Grainau an mir vorbeigehen…als ich fragte, was denn los sei…und du nur meintest, dass du aussteigen musstest. Wenn man solch ein „Rennen“ aufgeben muss…das ist schon sehr hart und ich kann deine Emotionen absolut nachvollziehen. Nächstest Jahr „rockt“ die #ZUT-Familie den Trail !! Klasse Bilder und eine wunderschönes Cap hat die Rebekka da an ;o)))
    Wir sehen uns in 2016 !!!
    LG Stephan

    • Ich sehe noch dein fragendes Gesicht und die kurze Verwirrung, ob ich tatsächlich vor dir da war 😉
      2016 wird gerockt. Ich freu mich drauf. Alles Liebe für euch!
      LG, Katrin

  4. Wünsche dir auch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch

    Auf das 2016 noch spannender, genialer und more awesome wird.
    Wir sehen uns auf den Trails

    Viele Grüße aus den sonnigen Bergen

    Steve

  5. Großartig. Genau wie du 😌

  6. Toller Jahresrückblick! Schön und emotional geschrieben. Man leidet richtig mit und freut sich genau so, als wäre man dabei gewesen. Weiter so im nächsten Jahr!
    Frohe Weihnachten und viel Glück und Erfolg in 2016!!!

  7. Was lehrt und das Jahr: Nicht aufgeben, sondern immer noch einne draufsetzten. Dann wird alles. In diesem Sinne: Ein großartiges 2016!

  8. Ein wirklich aufregendes Jahr und eine großartige Zusammenfassung. Du hast so viel erlebt, auf das du stolz sein kannst. Ein Rennen, das man aufgegeben muss, ist nie einfach, aber du hast sicher einen riesigen Schatz an Erfahrung dazu gewonnen. #ZUT rockst du dann beim nächsten Mal. Für all deine Vorhaben im nächsten Jahr ganz viel Erfolg und vor allem Spaß!

  9. Ein toller Jahresrückblick! Alles Gute für 2016!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s