Vom Rennen und Stolpern


Heute war es soweit.
Nach 4 Wochen (und somit fast völlig außer Form) hatte ich mir vorgenommen, endlich mal wieder eine „große“ Runde zu drehen.
Wenn man bedenkt, dass ich vor 2 Wochen noch in der Notaufnahme saß, weil ich nicht mehr Auftreten konnte und vor einer Woche auf einem Zahnarztstuhl bei einem Herren, der freudig einen Zahn aus dem Kiefer gebohrt und einen anderen gezogen hat, war das vielleicht ein relativ großes Vorhaben.

Meine Blogartikel schreibe ich gern schon beim Laufen. Im Kopf sozusagen.
So auch diesen.
Und wie ich mich auf den ersten Metern so abmühte, musste ich an Jupiter Jones denken.
Eine Band die mich schon sehr lang begleitet, gern auch beim Laufen.
Die Jungs haben ein Lied.
Vom Rennen und Stolpern:

„Wir waren mal Hals über Kopf
und furchtlos und selten und gut.
Ich frag mich oft ob wirs nur lassen,
weil jeder das irgendwann tut.
Ich würd dir so gern was versprechen,
sowas wie „alles wird heil“.
Wenn wir uns einfach schwören können: wir fangen von vorne an.
Für alles das was zählt, fangen wir von vorne an.
Wir können rennen,
wir dürfen stolpern.
Man hats noch nicht verloren,
nur wenn mans vermisst.“

Eigentlich ist das nämlich genau das, was ich dem Laufen hätte sagen wollen….würde das gehen.
Denn sind wir mal ehrlich, wenn man irgendwann vor geraumer Zeit Laufumfänge pro Lauf jenseits der 30 Kilometer hatte, denkt man doch immer irgendwie, dass das von Dauer sein wird.
Wie schwimmen, oder Radfahren, oder so.
Wenn man’s einmal kann, kann man’s. Dann verlernt man’s nicht mehr.

Ja, also, die anderen, ja, die vielleicht, aber man selbst? Niemals.
Wir Läufer/Sportler/Athleten neigen ja gern zu Hochmut (jedenfalls vor der sportlichen Tätigkeit).
Behaupte ich jetzt mal so. Bei mir ist das jedenfalls so.
Wir sind alle unser kleiner Superheld, weil wir was tun, was eben vielleicht nicht jeder tut.

Und so lief ich.
Zwar wusste ich, dass es vielleicht etwas härter werden würde als gewohnt.
Aber, was kost die Welt, ich nehm die Hälfte.

Nach ungefähr 20 Minuten wird mir dann bewusst, dass auch ein Superheld vielleicht erst wieder Laufen lernen muss.
Ich pumpe wie ein Maikäfer, mein Puls ist irgendwo, aber nicht da wo er sein sollte.
Die Beine brennen und sind müde und maulen bereits, dass sie eigentlich keine Lust mehr haben.
Der Kopf kann nichts anderes mehr denken, als anstrengend, aaaaaaaaaaaaaaanstrengend.
Das ist der Moment, an dem ich drüber nachdenke, ob ich vielleicht nicht besser umdrehen und nach Hause gehen soll.
„Bringt ja alles nichts, schlechten Tag erwischt oder so.“, denk ich mir.
Was soll ich sagen, wer 4 Wochen nicht läuft und 2 Wochen davon deswegen, weil er faul und unmotiviert war, muss halt die Rechnung bezahlen.
So einfach ist das. Für alles was man selbst verbockt, kriegt man die Quittung.

Ich bleibe stehen, weil ich natürlich wieder mit meinem alten Leiden, dem Seitenstechen zu kämpfen habe.
Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Laufen erst dann wirklich Spaß macht, wenn man nicht mehr merkt das man läuft.
Tja,ich merke das ich laufe, jeden Meter und ich leide leidenschaftlich gerade.
Und dann fallen mir die Textzeilen ein.
Ich muss schmunzeln, starte meine Uhr wieder und laufe los.
Es tut immer noch weh, es strengt immer noch an und es nervt mich ungemein.
Aber die Einstellung zu der ganzen Sache in meinem Kopf hat sich verändert.

Für alles das was zählt, fangen wir von vorne an.

Und so wurden es dann doch 16 Kilometer.
Genug gestolpert!
Es wird wieder gerannt.
Mein Jahr beginnt jetzt.
Die vergangenen Woche verbuche ich einfach als kleine Beziehungskrise 🙂

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Veröffentlicht in 2016

18 Gedanken zu “Vom Rennen und Stolpern

  1. Man darf, und das ohne schlechtes Gewissen, auch mal zwei Wochen faul sein. 😉 deine Kondition kommt schneller wieder als Superman fliegen kann. Was sind schon 2 oder 4 Wochen im Gegensatz zu einem ganzen Läuferleben – ein Wimpernschlag. 😉 Jetzt kann das Jahr beginnen. Ich wünsche dir viel Spaß.

  2. Wie oben schon erwähnt, wer läuft schon mal einfach so 16 km??? Ich drück dir die Daumen, du kommst wieder rein! Wer schon solche Leistungen wie du geschafft hat, den wirft so schnell nichts um! 🙂

  3. Der Song! Total die Gänsehautstimmung. Aber keine Sorge, du wirst dir die Kondition ganz schnell wieder aufbauen – und ja, wir dürfen faul sein, wir dürfen stolpern,… So ist das bei uns Läufern. Da gibt es immer mal Höhen und Tiefen und die Höhen lieben und genießen wir dann um so mehr.

  4. Ja, dieser Blog hier sagt mir was.
    Mal völlig losgelöst vom laufen – damit hab ich mich ja abgefunden, aber aus meinen geplanten 2 Wochen Sportpause wurden 6 und seitdem ist erst mal nichts mehr wie vorher. Ich bin mal testweise kurz gelaufen (4km … Durchschnittspuls 155 (damit lief ich schon fast HM auf Bestzeit). Oder Krafttraining … 100 Squats … Puls durch die Decke. 10 Push-Ups? Klar geht … danach 2 Tage Muskelkater oder ein bissen radfahren und kaum gehts bergauf stehen da Puls 180 auf der Uhr … hallo? Das hab ich maximal beim 10er beim laufen.

    Der Verstand weiß natürlich, das ist nicht alles weg. Es ist nur wo anders. Trotz Laufpause war ich Ende 2015 in super Form. Am Rad, am Ruderergometer und so kräftig wie noch nie…. und in verdammten 6 Wochen ist es weg. Gone with the wind.

    Wir hegen und Pflegen unsere Form und unser Können – denn eigentlich gibts diesen Fall ja nicht. Läuft alles „normal“ machen wir keine Pause und verlieren keine Form. Wir pausieren bewusst und nutzen das als Training, aber diesen Rückfall planen wir nicht ein, er ist jedes mal ein Drama.

    Genau aus diesem Grund befassen wir uns nicht damit. Alles ist da, alles ist gut. Aber das was wir tun ist ein zartes Pflänzchen. Die Wurzeln werden mit den Jahren immer stärker und die Pflanze treibt immer schneller und immer kräftiger aus, aber sie wird irgendwann verschwinden müssen um neu sprießen zu können.

      1. Nichtmal mehr mit dem Gewicht geht’s bergauf … und ich hab schon doppelt so viele Trainingsstunden im Februar als im Januar. Wenn ich das noch 2 Monate durchziehe bin ich wieder bei 40h und dort wo ich mal war ;-))

  5. Läuft doch alles wunderbar.
    Ruck-Zuck bist du wieder auf dem alten Stand und dann geht es über die alte Linie…immer weiter nach oben!

    Alles Gute…und nicht übertreiben 😉

  6. Umfänge bis 20, vielleicht 25, Kilometer finde ich hat man nach Kranktheit oder Verletzung recht schnell wieder im Repatoir. Aber darüber hinaus wird es dann echt erstmal zäh. So ergeht es mir jetzt schon den ganzen winter…

  7. Lauf du mal 2 oder 3 Wochen wieder regelmäßig, dann merkst du wie es wieder aufwärts geht 🙂 Ich bin grade wieder dabei die Höhenmeter im Training zu steigern bzw. überhaupt mal wieder welche einzubauen. Die ersten Läufe fühlen sich tatsächlich an als seien es die ersten überhaupt, aber der Körper vergisst nix. Dran bleiben, jetzt wird auch bald das Wetter besser dann fluppt es fast von alleine.

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