Vorstartmimimi 


Es ist alles wie immer.
Die letzten Tage vor dem Start zu einem Wettkampf.
Man hat sich Wochenlang vorbereitet, hat trainiert und getan und gemacht.
Wie immer gefühlt von allem zu wenig.
Denn das ist bei uns immer so.

Wir posten unsere Trainingserfolge in allen Farben und Formen auf sämtlichen Plattformen die das wunderbare Neuland zu bieten hat.
Aber wenn es dann tatsächlich soweit ist würde man alles darauf verwetten, dass man sowieso zu wenig trainiert hat und überhaupt.
Das tun wir dann natürlich auch wieder kund. Selbstredend.
Wie gewohnt ebenfalls wieder in allen Farben und Formen in diesem Neuland.
Nur um nach dem Wettkampf zu prahlen, dass natürlich die neue Bestzeit steht…was auch sonst.
(Wie haben die das früher nur gemacht….)
Daniel hat einen wunderbaren Artikel über unsere Eigenheiten verfasst.
Hier nachzulesen.

Das Schlimmste für uns (und die Menschen in unserem Umfeld) sind allerdings die Vorstartwochen.
Schon Tage bevor sie beginnt sinniert man heimlich, still und leise, wie man die letzten Tage bis zum Start unbeschadet übersteht.
Eines steht fest. Paranoid werden wir dann alle. Und das nicht zu knapp.

Ganz oben auf der Paranoia Liste:

Krank werden

Da gibt es die, die sich in der glücklichen Lage befinden Urlaub nehmen zu können.
Die Komplettisolation.
Der Kontakt zu Artgenossen ist auf ein Minimum zu beschränken.
Unvermeidbarer Kontakt (zum Beispiel beim Erwerb von Lebensmitteln) ist schnellstmöglich zu erledigen und auf ein Minimum an Zeit zu begrenzen.
Das Desinfizieren aller kontaminierten Körperteile ist keinesfalls zu vergessen.

Wenn man nicht in den Genuss der Konplettisolation kommt, darf man sich glücklich schätzen, wenn man nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein muss.
Sollte man mit den Öffentlichen unterwegs sein, empfiehlt sich der Erwerb eines ABC-Schutzanzuges, um entsprechend gewappnet zu sein.
Andernfalls tapselt man auf Zehenspitzen in das ausgewählte Gefährt.
Griffstangen, Sitze und Armlehnen sind nicht zu berühren.
Sofern dies versehentlich geschieht, erfolgt die unmittelbare Desinfektion betroffener Stelle.
Mit prüfendem Blick wird der Sitznachbar ausgewählt: Nase rot, Augen glassig, ist ein Räuspern oder Husten zu vernehmen? Wurde geschnieft oder geschnäuzt?
Falls ja, muss man sich schwer im Zaum halten nicht direkt zu fragen, warum entsprechende Person nicht zu Hause bleibt und die Bazillen dort verteilt, wie er sich erdreisten kann, andere Menschen in Gefahr zu bringen.
Hat man geeignet Sitzplatz gefunden, wird versucht so wenig wie möglich zu atmen.
Sicher ist sicher, man weiss ja nie.
Und plötzlich: Der Nieser von Gegenüber, der Huster von Nebenan….und man hatte doch so genau geprüft!!!
In Sekundenbruchteilen wird das Gesicht im Kragen vergraben, der Schal über die Nase gezogen und die nächste (wenns sein muss Stunden) Zeit verbrauchte Luft geatmet.

Wenn man es erfolgreich ins Büro geschafft hat, sind da dummerweise ja auch Menschen.
Und somit wieder Milliarden unkalkulierbarer Risiken.
So empfiehlt es sich, immer einen Meter Abstand zusätzlich zu halten.
Auschliesslich sein selbst mitgebrachtes Geschirr zu nutzen und immer andere Menschen die Tür öffnen zu lassen. Sagrotan ist Pflicht, versteht sich von selbst. Wenn nur ein Mundschutz nicht so blöde aussehen würde…

Im Regelfall geht das 1-2 Tage gut.
Dann folgt die Überraschung: das paranoide Hirn fängt an zu simulieren.
Der Hals kratzt und ist die Nase etwa dicht?
Dann, ja dann, kommt das Zaubermittel zum Einsatz.

  

Wie von der Terantel gestochen rennt man los und kauft Knollenweise Ingwer.
Irgendwer hat irgendwann mal gesagt Ingwer hilft. Immer.
Wenn uns einer sagen würde, dass es hilft, wenn man die Knolle um den Hals trägt (denn dann Zerfallen die Viren zu Staub…)
Nun ja…wie würden das tun, wenn es auch nur bei einem einzigen Menschen den wir kennen funktioniert hat.
So ertränken wir uns in Ingwertee und hoffen, dass wir verschont bleiben.
Denn mit diesem „Krank werden“ ist es ja nicht getan.
Als zweites steht auf der Liste nämlich:

Die Verletzungsgefahr

Man behandelt sich wie ein rohes Ei.
Die Laufeinheiten werden mit einer gewissen Vorsicht absolviert.
Keine neuen Schuhe, keine neuen Strecken. Nichts, was ein Risiko birgt.
„Was? Eine Mountainbiketour? Nein, vielen Dank. Ich muss am Sonntag Marathon laufen. Also nein, da will ich mich vorher wirklich keinesfalls verletzen.“
Im Regelfall zwickt dann plötzlich nun doch das Knie, oder die Hüfte, oder vielleicht doch irgendwas im Rücken.
Es empfiehlt sich also, immer einen Arzt und im besten Fall eine Physiotherapeuten zur Hand zu haben, der einem dann auch des Nachtens um 4 gern mitteilt und eine Stunde glaubhaft versichert, dass einem kurz vor dem Lauf nicht noch die Gliedmaßen abfallen, weil es zwickt.
Ein Erfinder eines Watteanzuges würde sich dumm und dämlich verdienen an uns.

Dann hätten wir nicht zuletzt den dritten Punkt:
Die Ernährung

Bloß keine Experimente. Man isst ausschließlich bewährte Kost. Die Einladung zum Inder (zu ersetzen durch ein Restaurant der Wahl, wir wollen hier niemand diskreminieren) der guten Freunde, die extra 300 Kilometer angereist sind um an der Strecke zu stehen, lehnt man dankend ab.
Am Ende verträgt man das nicht und hat eine länger andauernde Konversation mit Villeroy und Boch.
Klar, kommt ja sonst auch in regelmäßigen Abständen vor, dass man Wochen auf der Kloschüssel hängt nach so einem Restaurantbesuch.
Es empfiehlt sich dann doch lieber auf die altbewährten Pastaparties zu gehen, man hockt in riesigen Gruppen aufeinander.
Dicht an dicht…an einem Ort, wo alle gemeinsam weichgematschte Nudeln essen, mit wässriger Sosse. Alles gekocht in zwei großen Töpfen.

Man, man, wenn da mal einer so Ausversehen rein niest….

*für alle diejenigen, die es immer gern vergessen: Fast all meine Beiträge sind mit einem Augenzwinkern versehen.
Halb so wild, halb so ernst.
Ein bisschen Spass muss sein und so 😉

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Veröffentlicht in 2016

8 Gedanken zu “Vorstartmimimi 

  1. Wieder einmal ein Hochgenuss an Schreiberei! Hab nen guten Lauf in vier Tagen. Und ja, ich bin immer noch so stolz, auch wenn ich dir das selten sage, weil wir uns niiiieeeee sehen! Hau die Schweinehunde um!

  2. Was wäre denn ein ordentlicher Wettkampf ohne #mimimi – wobei ich Dich schon etwas tadeln muss. Schließlich ist das nur das oberflächliche #mimimi.

    Generell ist vor dem Wettkampf noch jegliche Vorbereitung KOMPLETT in Frage zu stellen, es ist wichtig beinahe einer Depression zu erliegen, man muss sich mindestens 3x Fragen ob man es nicht lieber bleiben lässt und man korrigiert sämtliche gesetze Ziele auf 10% des ursprünglichen weges nach unten … 🙂

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