2. Tiergartenlauf Nürnberg 2017


Schon komisch…eigentlich schreibt man Rennberichte ja immer aus Sicht des Läufers. Das hier wird allerdings einer, aus Sicht des Veranstalters. Nicht jeder hat das Glück einen Lauf aus der Perspektive zu betrachten. Denn letztlich ist es eine ganze Menge Arbeit, die eine ganze Menge an Nerven kostet und ab und an ein dickes Fell braucht. Den Lohn für all die Mühen erntet man (im besten Fall) am Veranstaltungstag und auch noch eine kleine Weile danach.

Die Planung für den 2. Tiergartenlauf begannen am 03.06.2016 um ca. 21:00 Uhr. Als die ersten Sponsoren schon im Ziel zusagten, auch im kommenden Jahr wieder an Bord zu sein.

Was dann folgte, war ja quasi schon Routine.
Anmeldung öffnen, Shirt designen, Medaillen designen und bestellen. Das Patentier stand ja ebenfalls seit dem letzten Lauf fest. Die Giraffe.

Die Patenschaft hatten wir ja nach dem 1. Tiergartenlauf für ein Jahr übernommen. So haben wir es uns auch nicht nehmen lassen, unserem Patenkind noch einmal einen Besuch abzustatten im Vorfeld.
Und so eine Giraffe zu füttern ist schon irgendwie besonders.

Apropos Anmeldung offenbar. Was im Jahr 2016 exakt 23 Tage gedauert hat, war in diesem Jahr in (Achtung!!!!) 7 Stunden erledigt.
Wir haben wirklich nicht schlecht gestaunt. 7 Stunden. Wir hatten mit vielem gerechnet, aber nicht damit.
In 7 Stunden waren 500 Plätze für den Hauptlauf weg und die Kinderläufe neigten sich auch langsam aber stetig dem Ende.

Die Flut an Mails, die wir im Nachgang erhielten, unfassbar groß. Alle riefen nach einer Warteliste. Das (so hat sich im letzten Jahr herausgestellt) ist allerdings ein Aufwand, dem wir nicht Herr werden können. Deshalb hatten wir in diesem Jahr davon abgesehen.

Aber irgendwann war es dann soweit. Der 01.06.2017 war gekommen und wir fast bereit für die Startnummernausgabe.
Die Shirts waren wieder kurz vor der Angst angekommen. Ebenfalls die Startnummern, in die sich beim ersten Druck ein kleiner Fehler eingeschlichen hatte.
Aber gut. Donnerstag 11:00 Uhr. Es war alles da. Nur noch keine Beutel gepackt und noch  nichts sortiert. 🙂

Allerdings gelang es mir, in diesem Jahr ruhiger zu bleiben. Nach und nach die Startbeutel packen. In diesem Jahr zum Glück mit ganz vielen helfenden Händen.
Und innerhalb von knapp 3 Stunden waren 850 Startbeutel gepackt. V-E-R-R-Ü-C-K-T
Ich war unglaublich froh und mir fiel der erste große Stein vom Herzen.

 

Die Startnummernausgabe konnte losgehen und so kamen wir auch die ersten Läufer zu Gesicht.
Das ist der Moment, in dem so ganz, ganz, ganz langsam, durchsickert, was man da eigentlich auf die Beine gestellt hat. Und im gleichen Moment bekommst du noch einmal ein furchtbar mulmiges Gefühl. Klappt alles, geht alles gut, passt irgendwas nicht.
Durchatmen. Alles wird gut, wir wissen wie das funktioniert, wir haben das alles schon mal gemacht.

Und zack war auch schon der Tag der Tage. Freitag. Raceday.
Die Anspannung groß. Und das übliche Mittagessen bei einem unserer Hauptsponsoren exito.
Und schon gings weiter in den Tiergarten. Erst dort realisiert man wirklich, was man da auf die Beine gestellt hat. Hunderte Menschen laufen da plötzlich in blauen Shirts rum, um dort gleich durch den Tiergarten zu flitzen. Die Zeit bis zu den Kinderläufen verging rasend schnell.
Als Besonderheit hatte ich in diesem Jahr 3 Feuerwehrleute dabei.
Die verteilten mit mir die Medaillen an die Kids, bevor sie selbst in voller Montur an den Start gehen wollten. Und was soll ich sagen. Kinder sind immer verdammt ehrlich. So stand ich da und wollte dem ersten Zwerg eine Medaille umhängen, der postwendend zu mir sagte: „Neeeeeeeeee, von dir will ich keine Medaille. Ich will die von dem da.“
Rumms. Aha. Ja gut. So ein Feuerwehrmann ist hat um einiges cooler.

 

Während also alles um dich herum wuselt, deckst du deinen Bereich ab. Bist mal hier und mal da. Kümmerst dich mal hier und mal dort. Und plötzlich sind die Kids schon durch und der Hauptlauf steht an.
6,6 bzw 10km. Ein wenig mehr als 500 Leute stehen an dieser Startlinie. Inkl. meines Feuerwehrmannes und seinen beiden Kollegen.
Meine Aufregung ist riesig. Es hat knappe 30 Grad. Ich hoffe, dass die Wasservorräte reichen, die wir kurz vorher noch aufgestockt haben.
Ich hoffe, dass unser Sanitätsdienst nichts zu tun haben wird.
Ich beruhige mich und gehe einfach davon aus, dass alles gut sein wird.

Startaufstellung. Startschuss. Und schon sind alle unterwegs.
Jetzt fällt die Anspannung so langsam ab und wandelt sich in stolz. All diese Menschen laufen, weil wir eine Idee hatten. Irgendwann mal. Im Jahre 2015. Und sie laufen jetzt, weil unsere Premiere im letzten Jahr ganz großartig lief.
V-E-R-R-Ü-C-K-T

Ich gehe die Strecke immer wieder ab. Kurzer Plausch mit unseren Streckenposten, kurzer Check an der Versorgungsstelle, bis irgendwann die Info kommt, dass wir einen Sani brauchen. Verdammt. Ich hatte gehofft, dass das nicht passiert.
Die Dame mag aber keinen Sani und  erzählt beharrlich, dass das schon werden wird. Ganz typisch Läufer eben. Im gleichen Moment kommt mir ein sehr bekanntes Gesicht in einem Feuerwehrhelm entgegen. Kurzes Gespräch, wie geht es dem Rest, wo sind die anderen beiden.

Ich vergewissere mich, dass es der Dame einigermaßen geht und ich kurz weiter an der Strecke entlang kann um nach dem rechten zu sehen. Kein Problem. Es sind Personen bei ihr, die sich um sie kümmern.

Ein paar Minuten später, habe ich meinen Feuerwehrmann gefunden. Es ist ziemlich warm und ich muss zugeben, ich mache mir wirklich Sorgen.
Ich gehe mit ihm gemeinsam und bitte ihn, sich die Dame mal anzuschauen.
Er unterbricht also sein Rennen und kümmert sich um unsere Patientin. Danke dafür ❤

Zwischenzeitlich klingelt mein Telefon. Wir müssen so langsam zur Siegerehrung heißt es da. Ich kann aber gerade nicht. Ich möchte die Dame erst versorgt wissen. Die Siegerehrung muss also ohne mich stattfinden. Notfälle gehen vor.

Und auch hier zeigt sich, wie so ein Lauf funktioniert. Mit Organisatoren, die Herzblut in die Sache stecken. Vor allem aber mit Helfern, die an diesem Nachmittag/Abend einen wirklich großartigen Job gemacht haben. Egal, ob auf der Strecke, oder bei den Verpflegungspunkten, oder der Kleideraufbewahrung, oder der Startnummernausgabe, oder, oder, oder.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Menschen hinter den Kulissen dieses Laufes gewerkelt haben. Ohne die, wäre all das nicht möglich gewesen.
Man kann nie, wirklich nie, oft genug danke sagen, für das, was dort geleistet wird. Wir wissen das sehr zu schätzen.

Irgendwann dringt die Info zu mir durch, dass Felix Mayerhöfer unser Sieger auf der 10km Distanz ist. Sagt einem erst einmal nichts, aber ich lasse mir berichten, dass Felix eine Woche zuvor den Regensburgmarathon gewonnen hat und beim Hamburgmarathon Weltrekord in einem Businessanzug gelaufen ist.
V-E-R-R-Ü-C-K-T
Mit Florian Schwarthoff beherbergten wir im letzten Jahr ja schon einen Olympia-Bronzemedaillengewinner.

Der Tiergartenlauf ist für mich jedes Mal wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Wen man realisiert, was man mit Herzblut und einem Feuer, mit dem man andere anstecken kann, so alles realisieren und verwirklich kann, ist das etwas großartiges.
Die 2. Auflage unseres Laufes, war nicht weniger erfolgreich als die Premiere. Wir sind froh, dass alles so funktioniert hat und es bis auf ein paar Kleinigkeiten, alles reibungslos verlief.
Der Dame der es gesundheitlich unterwegs nicht so gut ging, geht es wieder bestens. Das beruhigt uns am allermeisten.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an unsere Helfer. Und auch  an unsere Sponsoren, die von Beginn an, an unseren Seite stehen und uns ihr Vertrauen schenken.
Ohne all das, wäre dieser Lauf so nicht möglich.

 

Vielen Dank an Jochen von exito, der mit der Kamera als rasender Reporter durch den Tiergarten lief. Ebenfalls vielen Dank an Thomas von Th_nbg für die tollen Fotos.

Advertisements

7 Gedanken zu “2. Tiergartenlauf Nürnberg 2017

  1. Sehr schöner Bericht aus Sicht einer Organisateuse =) Cooler Lauf, gut, dass alle mehr oder weniger gesund angekommen sind und ich freue mich schon wieder auf nächstes Jahr #teamerdmännchen

  2. Toller Bericht, super Bilder, klasse Veranstalter! Glückwunsch zu deinem erfolgreichen Ausrichten. Kann mir sehr gut vorstellen, welche Arbeit dahinter steckt. Und hinterher ist man doch sicher stolz wie Bolle!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s