Skyrun Frankfurt 2017


Sonntag, 11.06…Die Woche war irgendwie voll. Es ist 5 Uhr morgens, der Wecker hat gerade geklingelt. Wir sind gestern um 22:00 nach Ganztagswettkampf (Toughest Firefighter Alive) und 3 Stunden Autobahn ins Bett gefallen.

Heute steht der Skyrun auf dem Programm. 61 Stockwerke, 1202 Stufen, 222 Höhenmeter. Die Feuerwehr Frankfurt ist mit 5 Teams vertreten. 3 davon gehören zum Feuerwehrsportverein. 2 Teams laufen in Montur und nur mit dem Atemschutzgerät auf dem Rücken. 3 Teams laufen komplett angeschlossen.
Eigentlich war alles anders geplant. Aber Holger muss arbeiten und irgendwer muss den Hut aufhaben und die Verantwortung durch die Gegend tragen. Die teilen uns Jan und ich.  Also Sachen zusammengesucht. Helm, Feuerschutzkleidung, Stiefel, Handschuhe. Alles was ich zu dem Zeitpunkt denken kann ist: „Müüüüüüüüde. Wer kam noch gleich auf die Idee, zwei Wettkämpfe hintereinander in ein Wochenende zu schieben?“
Abfahrt in Richtung Wache. Kurzer Stop. Frühstück. Kaffee.
Weiterfahrt in Richtung andere Wache. Zum Atemschützer vom Dienst, Geräte holen, Auto holen und alles verladen und festzurren und ab in Richtung Messeturm.

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Kurz nach der Ankunft hieß es erst einmal Startnummern holen. Ging doch relativ problemlos. Noch knapp 3 Stunden bis zum Start.
Genug Zeit um einfach so rumzuliegen und das Geschehen zu beobachten.
Bis irgendwann ein aufgelöster Herr der Feuerwehr Rüsselsheim vor uns stand, mit der Frage, ob wir PAs füllen können.
Da war guter Rat teuer. Wir hatten unsere Geräte dabei, keinen Ersatz oder sonstiges. Aber Glück im Unglück und so wurde von oberster Stelle abgesegnet, dass die Jungs zur Atemschutzwerkstatt fahren konnten.

Es war aber noch immer verdammt viel Zeit bis zum Start. Also was tun?
Essen wäre nicht schlecht. Erstaunlicherweise traf ich wirklich viele Nasen, die ich einen Tag zuvor in Mönchengladbach schon gesehen hatte. So verging die Zeit mit einigen Schwätzchen doch schneller als gedacht.

Und letztlich war der Startschuss auch nicht mehr weit.
13:36 war unsere Startzeit. Das Team bestand aus Karim, Daniel und mir.
Das ist wohl die Stelle….an der ich zuegeben muss….ich bin doppelt so alt wie die beiden Jungs. Die Team-Oma sozusagen.  Der Moment in dem ich mich entsetzlich alt fühlte. Daran hatte ich schon ein bisschen zu knabbern. Aber seis drum, „Dann müssen die jungen Hüpfer eben auf mich warten“, dachte ich mir noch so.

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Der Startschuss fiel und ich hatte vorher von Peter gelernt: Die ersten Meter ins Gebäude müssen gerannt werden. Für die Show. Gesagt, getan. Rein ins Treppenhaus. Die Jungs gingen vor, ich hinterher. Draußen waren es 30 Grad. Ich hatte mir die Feuerschutzhose schon weit vorher angezogen, um meinen Körper schon einmal auf die Temperaturen einzustimmen. Es war verdammt warm. VERDAMMT WARM! V-E-R-D-A-M-M-T-W-A-R-M. Schon in den ersten Stockwerken.

In Stockwerk 20 fiel mir ein junges Mädchen ins Auge, die unter ihrem Helm gar nicht mehr so fit aussah. Stehenbleiben oder vorbeilaufen? Stehenbleiben oder vorbeilaufen? Ganz klar stehenbleiben.
Sie möchte raus, sie braucht einen Aufzug, sie schafft es nicht mehr nach unten, nach oben aber auch nicht. Hat sich überreden lassen dazu und das Ganze vorher noch nie gemacht. „Tja nun, Aufzug ist nicht. Jedenfalls nicht hier, entweder du gehst nach unten oder wir zwei beide weiter nach oben.“
Zwei Minuten Verschnaufpause und gutes Zureden später, setzten wir gemeinsam einen Fuß vor den anderen. Bis wir schließlich ein paar weitere Stockwerke später bei den Sanitätern ankamen. Dort blieb sie. Für mich hieß es ab jetzt zügig weiterlaufen
Das kam unterwegs noch 2-3 Mal vor, dass man irgendwen aus einer Ecke kratzte. Und so gingen die Minuten eben flöten.
Aber egal, niemand wird liegen gelassen.

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Gut die Hälfte war mittlerweile geschafft. Der Hitzestau unterm Helm und in den Klamotten fast unerträglich. Gefühlt 100 Grad. Das Herz rast, der Schweiß tropft von den Fingerspitzen. Du weißt nicht so recht wohin mit dir. Die Beine werden schwerer von Stufe zu Stufe, man muss wirklich aufmerksam sein um mit den Stiefeln nicht hängen zu bleiben. Grauer Beton überall. Zwei kurze Treppen, ein kurzer Flur, wieder Treppen und es hört einfach nicht auf. Kurz anlehnen und atmen, warten bis die leichte Übelkeit verflogen ist. Und weiter gehts. Aber ich kenne das. Ich habe das trainiert. Mehrmals. Also einfach immer weiter.


Oben. 26:26:irgendwas.
Ich lasse mich neben Getränkestand fallen. Öffne die Jacke. Nehme den Helm ab. Liege Minuten nur rum, ohne mich zu bewegen, hauptsache es wird kühler. Ich halte einfach nur die Hand nach oben und warte bis mir jemand einen Becher Wasser in die Hand drückt. Alles ist voll, eng, stickig. Überall Helme, PAs, Stiefel, Jacken….Aufstehen, Medaille holen. Und dann  ab nach unten mit dem Aufzug. Hier oben will ich nicht länger sein als nötig. Ich brauche Luft. Unten angekommen setze ich mich einfach auf die Erde und werde mit einem riesigen Becher Wasser begrüßt und war selten glücklicher darüber als jetzt.

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In meiner Klasse sind nur 7 Mädels gestartet. Angekommen sind 6. Und ein klein wenig ist schon verrückt, was man seinem Körper da abverlangt. Dennoch macht es einfach verdammt viel Spaß, gerade, weil wir dort die Ausnahme sind. 

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Veröffentlicht in WK

5 Gedanken zu “Skyrun Frankfurt 2017

  1. Deine (und alle die das schaffen) Leistung ist einfach der Hammer! Es ist schon unglaublich, was der Körper imstande ist zu schaffen. Ich nenne es einfach „brutal“. Aber Glückwunsch!!!

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